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Plagiatsaffäre : Guttenbergs Anwalt spricht von „Vorverurteilung“

  • Aktualisiert am

Guttenberg am 1. März bei seiner Rücktrittserklärung in Berlin Bild: dpa

Nach Berichten, die Universität Bayreuth werde dem ehemaligen Verteidigungsminister vorsätzliche Täuschung bei seiner Dissertation bescheinigen, spricht zu Guttenbergs Anwalt von einer „Vorverurteilung“. Sein Mandant habe „schlüssig belegt, dass er nicht bewusst getäuscht hat.“

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          Zwischen dem früheren Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) und seiner früheren Universität ist ein heftiger Streit über den Untersuchungsbericht zu seiner Doktorarbeit entbrannt.

          Die „Kommission zur Selbstkontrolle der Wissenschaft“ an der Universität Bayreuth, die den Vorsatz der Täuschung im Fall Guttenberg prüfen soll, hat das wissenschaftliche Fehlverhalten Guttenbergs wissenschaftsethisch beurteilt und ihren Bericht nahezu fertiggestellt. Es ist damit zu rechnen, dass Guttenberg vorsätzliche Täuschung bescheinigt wird, berichtete die Frankfurter Allgemeine Zeitung am Samstag. Ausmaß und Art der Plagiate ließen keinen anderen Schluss zu. Guttenberg will eine Veröffentlichung verhindern.

          Zu einer Anhörung, zu der ihn die Kommission geladen hatte, sei Guttenberg nicht gekommen. Es gebe deshalb Zweifel daran, dass er seiner früheren Ankündigung, an der Aufklärung aktiv mitzuwirken, nachkommt. Im Laufe des Verfahrens war Guttenberg wegen seines Fernbleibens gebeten worden, schriftlich Stellung zu nehmen.

          „Widerspricht Regeln eines ordentlichen Verfahrens“

          Der Anwalt Guttenbergs griff am Sonntag die Universität Bayreuth scharf an und warf ihr vor, seinen wegen der Plagiatsvorwürfe zurückgetretenen Mandanten vorzuverurteilen. „Obwohl die Kommission der Bayreuther Universität ihre Arbeit noch nicht abgeschlossen hat, wird über deren angebliche Ergebnisse bereits in der Presse berichtet“, sagte Anwalt Alexander Graf von Kalckreuth in der „Bild am Sonntag“ und fügte hinzu: „Das widerspricht allen Regeln eines ordentlichen Verfahrens und dient der Vorverurteilung meines Mandanten.“

          Guttenberg bleibe weiter bei seiner Darstellung, nicht absichtlich abgeschrieben zu haben. Diesen Vorwurf wies die Hochschule zurück. „Es gibt bis heute keine offizielle Stellungnahme der Universität Bayreuth oder der Kommission, in der von einer absichtlichen Täuschung die Rede war“, sagte Uni-Sprecher Frank Schmälzle der Nachrichtenagentur dpa. „Insofern halten wir diese Vorwürfe für verfehlt.“

          Die Universität Bayreuth will ihren Bericht notfalls auch gegen den Willen Guttenbergs veröffentlichen. „Wir wollen eine klare Aussage zum wissenschaftlichen Fehlverhalten zu Guttenbergs treffen und das Thema öffentlich aufarbeiten“, sagte Sprecher Schmälzle. Er bestätigte Berichte, dass Guttenbergs Anwälte in einem Brief gebeten hätten, den Untersuchungsbericht nicht zu veröffentlichen. Sie verwiesen darin auf die Persönlichkeitsrechte ihres Mandanten. „Wir haben den Anwälten in einem Schreiben geantwortet und unser Interesse deutlich gemacht, die Öffentlichkeit informiert zu halten“, betonte Schmälzle. Bei seinem Rücktritt hatte Guttenberg noch erklärt, er werde sich nun nach Ende seiner Ministertätigkeit an der Aufklärung der Vorwürfe gegen ihn beteiligen.

          „Er hat nicht bewusst getäuscht“

          Guttenberg hatte stets bestritten, bewusst Texte anderer Autoren übernommen zu haben, ohne dies zu kennzeichnen. Guttenberg habe gegenüber der Kommission eine umfassende Stellungnahme abgegeben, sagte sein Anwalt jetzt. „Sie belegt schlüssig, dass er nicht bewusst getäuscht hat.“ Sein Mandant räume aber „mangelnde Sorgfalt“ ein. Vorwürfe der Uni, Guttenberg wirke an der Aufklärung der Affäre anders als versprochen nicht voll mit, bezeichnete der Anwalt als „haltlos“.

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