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Plagiatsaffäre : Bayreuth appelliert an Guttenberg

Der Urvater der Plagiatsdebatte: Karl-Thedor zu Guttenberg. Bild: dapd

Die Universität Bayreuth wird zu Guttenberg wohl vorsätzliche Täuschung bescheinigen. Der ehemalige Verteidigungsminister bemühe sich nicht „aktiv“ um Aufklärung in der Plagiatsaffäre - seine Anwälte wollen verhindern, dass der Abschlussbericht über seine Doktorarbeit öffentlich wird.

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          Die „Kommission zur Selbstkontrolle der Wissenschaft“ an der Universität Bayreuth, die den Vorsatz der Täuschung im Fall Guttenberg prüfen soll, hat das wissenschaftliche Fehlverhalten des ehemaligen Verteidigungsministers zu Guttenberg (CSU) wissenschaftsethisch beurteilt und ihren Bericht nahezu fertiggestellt. Es ist damit zu rechnen, dass Guttenberg vorsätzliche Täuschung bescheinigt wird.

          Heike Schmoll

          Politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.

          Zu einer Anhörung, zu der ihn die Kommission geladen hatte, ist er nicht gekommen. Es gibt deshalb Zweifel daran, dass er seiner früheren Ankündigung, an der Aufklärung aktiv mitzuwirken, nachkommt. Im Laufe des Verfahrens war Guttenberg wegen seines Fernbleibens gebeten worden, schriftlich Stellung zu nehmen. Dies hat er offenbar auch getan. Nähere Einzelheiten sind wegen des laufenden Verfahrens nicht in Erfahrung zu bringen.

          Sicher ist nur, dass die Praxis eines Abgeordneten, den wissenschaftlichen Dienst des Bundestags für seine Arbeit (also auch für Vorträge) ohne Quellenangabe in Anspruch zu nehmen, für eine wissenschaftliche Arbeit nicht gelten kann.

          Bericht bis Ende April

          Letzte Änderungen des Kommissionsberichts sollen bis Ende April eingearbeitet werden. Die Kommission bewertet darin den Ablauf des Promotionsverfahrens Guttenbergs und formuliert Empfehlungen für die Hochschulleitung, wie das Promotionsverfahren verbessert und Plagiate künftig erschwert werden können. Es gehe ihm darum, das Promotionsverfahren der Bayreuther Universität dem anderer Hochschulen anzugleichen, sagte der Präsident der Universität Bayreuth Rüdiger Bormann der F.A.Z.

          Bormann, der bisher auch nur die Kernpunkte des Abschlussberichts kennt, will auf dieser Grundlage Beschlüsse zur künftigen Promotions-Praxis an der Universität Bayreuth fassen. Die Entscheidungen werden Anfang Mai vorliegen, die Universität Bayreuth wird sie veröffentlichen.

          Anwälte möchten Veröffentlichung des Kommissionsberichts verhindern

          Die Universität beabsichtigt auch, das Ergebnis des Kommissionsberichts im Blick auf das wissenschaftliche Fehlverhalten Guttenbergs öffentlich zu machen. Dass Rechtsanwälte Guttenbergs gegen eine solche öffentliche Klarstellung in einem früheren Schreiben zunächst Vorbehalte geäußert hatten, hat man an der Universität Bayreuth zur Kenntnis genommen.

          „Wir wollen eine klare Aussage zum wissenschaftlichen Fehlverhalten zu Guttenbergs treffen und das Thema öffentlich aufarbeiten“, bestätigte der Sprecher der Universität Frank Schmälzle am Samstag der Nachrichtenagentur dpa. Unter dem Verweis auf Persönlichkeitsrecht Er bestätigte, dass die Anwälte Guttenbergs die Hochschule gebeten hätten, den Kommissionsbericht über die Plagiatsvorwürfe nicht zu veröffentlichen.

          Wenn Guttenbergs Rechtsanwälte einen Unterlassungsantrag stellen, könnten sie allerdings sogar die Veröffentlichung der Ergebnisse verhindern. Die Universität Bayreuth hat Guttenberg schriftlich aufgefordert - entsprechend seiner früheren Äußerungen und Stellungnahmen - seine Vorbehalte bezüglich der Veröffentlichung, insbesondere im Blick auf die Ergebnisse der erhobenen Plagiatsvorwürfe, zurückzunehmen und eine umfassende Information zu unterstützen.

          Dies sei von besonderer Bedeutung für die Bewertung von wissenschaftlichem Fehlverhalten im Wissenschaftssystem. Es gebe ein erhebliches öffentliches Interesse, zumindest das Resultat der Kommissionsarbeit zu kommunizieren, heißt es an der Universität Bayreuth.

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