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Guttenbergs Plagiataffäre : Bayreuth fehlt Legitimation zur Prüfung

  • -Aktualisiert am

Kein Doktor und kein Minister mehr: Karl-Theodor zu Guttenberg Bild: dpa

Die Universität Bayreuth prüft weiter, inwieweit Guttenberg plagiiert hat - doch darf sie das überhaupt? Ein externer Doktorand ist nicht Mitglied der Universität und deshalb auch nicht ihrer korporativen Gewalt ausgesetzt. Die Hochschule bräuchte eine Ermächtigung.

          Er ist weg. Der Doktortitel ist durch die Bayreuther Fakultät für Rechts- und Wirtschaftswissenschaften aufgrund der objektiven Mängel des „Dissertation“ genannten Collage-Projektes eingezogen. Das stört jene, die gerne „amtlich“ festgestellt sähen, dass der Minister ein Plagiator, ein vorsätzlicher Täuscher, ein Wissenschaftsbetrüger sei. Plagiatfinder Andreas Fischer-Lescano wirft der Fakultät vor, sie habe sich um diese Täuschungswertung gedrückt. Die Bundesfachfrau für hilfreiche Bücher findet diese Vorgehensweise „richtig und logisch“. Kein Wunder, dass nachgehakt werden soll.

          Nur: Wie macht man dies? Jede öffentliche Schuldfeststellung, jede Rüge, Ermahnung und dergleichen durch die Bayreuther Fakultät oder Universität braucht eine Rechtsgrundlage, weil sie in Persönlichkeitsrechte des Doktoranden eingreift. Diese genießt zu Guttenberg wie jeder andere Textdieb. Wer fände es angemessen, wenn Universitäten jeden abschreibenden Doktoranden mit Namen- und Werknennung als Vorsatztäter vorführten? Pein kommt von poena (lateinisch für Strafe).

          In Betracht kommen zwei universitäre Verfahren: Das Verwaltungsverfahren zur Entziehung des Doktorgrades nach Bayerischem Hochschul- und Verwaltungsrecht ist eben nur dies: ein Verfahren zur Korrektur eines Verwaltungsfehlers. Was der Staat rechtswidrig gibt, wird wieder einkassiert. Wer für den Führerschein einen falschen (oder gefälschten) Sehtest vorlegt, dem wird die Fahrerlaubnis korrigierend entzogen. Für den Entzug des Doktorgrades genügen nach heutiger Rechtslage in Bayern und den meisten Ländern schon die objektiven Mängel der unwissenschaftlichen Arbeit - so wie es für den Entzug der Fahrerlaubnis ausreicht, dass die Sehtestbescheinigung objektiv fehlerhaft ist. Das versperrt vielen Ausreden die Ausflucht. Also ist in beiden Fällen kein subjektiver Vorwurf der Täuschung oder Fälschung erforderlich. Wenn der objektive Werkmangel den Entzug des Doktortitels trägt - dann ist es umgekehrt nicht zulässig, überschießende Schuldfeststellungen zu treffen und auf diese Weise ohne Sachgrund in Persönlichkeitsrechte der plagiierenden Doktoranden oder Prüflinge einzugreifen. Das Verfahren sühnt nicht die plagiatorische Frechheit. Die Bayreuther Fakultät hat richtig gehandelt.

          Kein Qualitätsmanagement für die Forschung

          Bleibt das andere Verfahren zur Feststellung wissenschaftlichen Fehlverhaltens. Die meisten Universitäten und Wissenschaftseinrichtungen halten institutionelle Redlichkeitsgremien zur vielbeschworenen „Selbstkontrolle in der Wissenschaft“ vor. Beauftragte, Untersuchungskommissionen, Ombudsleute und dergleichen prüfen Vorwürfe über wissenschaftliches Fehlverhalten. Die Universität Bayreuth hat eigens eine Kommission berufen; ihr fehlt indes die korporative Legitimation in der Grundordnung der Universität. In Bayreuth gibt es ein „Qualitätsmanagement für Studium und Lehre“, doch keines für die Forschung.

          Auch für dieses Reinigungsritual gibt es Grenzen: Erstens und vor allem erstreckt sich die Verbandsgewalt der Universität als Korporation immer nur auf die eigenen Mitglieder. Nur den Studenten, Promotionsstudenten, Hochschullehrern und Mitarbeitern gegenüber kann die Hochschule nach (bayerischem) Hochschulrecht mit körperschaftlicher Legitimation agieren. Aktive Doktoranden fallen darunter nur, wenn sie für ein Promotionsstudium immatrikuliert sind oder an Lehrstühlen mitarbeiten. Ob jener Plagiator zum Zeitpunkt der Abgabe der Dissertation eingeschrieben war, wissen wir nicht. Der vollständig externe Doktorand ist nicht Mitglied der Universität und keiner korporativen Gewalt ausgesetzt. Erst recht hat die Universität nach Abschluss der Promotion gegenüber dem dann Ausgeschiedenen keine nachlaufende Disziplinargewalt.

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