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Guttenberg im Bundestag : Dick aufgetragene Demut

Das blaue Buch: Guttenberg mit seiner Dissertation im Bundestag Bild: dpa

Im Bundestag musste sich der Verteidigungsminister seinen Kritikern stellen. Hier war er noch „Dr. Guttenberg“. Doch er lässt sich nicht aus der Reserve locken - und dankt demütig jedem Abgeordneten für seine Frage.

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          „Können Sie ausschließen, dass man bei vorhandenen Leckagen eine Entdeckung macht?“, will die Abgeordnete von der Bundesregierung wissen. Da geht es schon nicht mehr um die Doktorarbeit des Verteidigungsministers, und im Bundestag beginnt allmählich wieder die Normalität einzukehren. Die Normalität in den Fragestunden, die immer mittwochs stattfinden, ist ein übersichtlich besetztes Plenum und eine gedämpfte, sachliche Atmosphäre. Sie kehrt nun wieder ein, da Scharen von Abgeordneten in Richtung Ausgang drängen und die Fachpolitiker sich schon in der Lobby aufbauen, um den Beobachtern ihre Sicht der Dinge beizubringen, während die wenigen noch verbliebenen Parlamentarier sich im Plenum mit der Technik befassen, mit der Kohlendioxid unter der Erdoberfläche gespeichert werden soll. Möglichst ohne Leckagen.

          Stephan Löwenstein
          Politischer Korrespondent mit Sitz in Wien.

          Guttenbergs Doktorarbeit ist wie ein Gas, das sicher verwahrt zu sein schien, nun aber an die Oberfläche gedrungen ist und das Klima grundlegend verändert hat. Dabei scheint der CSU-Politiker schon vor Monaten von der Leckage Kenntnis bekommen zu haben, also darüber, dass Recherchen über seine Dissertationsschrift im Gange sind. Aber das hat er offensichtlich nicht als Bedrohung empfunden, so erklärt sich auch seine erste Reaktion vom vergangenen Mittwoch. Die Vorwürfe, es handle sich um ein Plagiat, seien „abstrus“, er sehe ihnen gelassen entgegen.

          Zwei Stränge hat seine Verteidigung

          Inzwischen nimmt er sie ernst. Guttenberg ist ins Parlament gegangen, um sich den Fragen der Opposition zu stellen. Noch am Vortag war geplant, dass ein Parlamentarischer Staatssekretär antwortet – wie in jenen Fragestunden, in denen Normalität herrscht. Nun aber steht der Minister in der Regierungsbank, antwortet mit ruhiger Stimme und beschränkt sich auf sparsame Gesten: die rechte Hand unter dem Kinn, die Linke unter dem rechten Ellbogen, wenn er zuhört; die Rechte halb geschlossen vor der Brust pendelnd, wenn er antwortet.

          Zwei Stränge hat seine Verteidigung: Der eine ist es, zwischen den Aufgaben und der Verantwortung – im Ministeramt einerseits und der wissenschaftlichen Karriere andererseits – zu unterscheiden. Darauf hatte schon die Bitte an die Universität Bayreuth gezielt, die Verleihung des Doktortitels zurückzunehmen, und auch die Aussage der Bundeskanzlerin, sie habe nicht einen wissenschaftlichen Assistenten gebraucht, sondern einen Verteidigungsminister, und dafür sei der Doktortitel unerheblich. Guttenberg kleidet diese Unterscheidung nun, da er nach den Signalen gefragt wird, die von seinem Verhalten ausgingen, in die Worte: „Was die Signale betrifft, die der Bundesminister der Verteidigung auszusenden hat, sind das Signale zur Verteidigungspolitik.“ Hingegen sei das Signal „in die Wissenschaft“, das von einer „offensichtlich sehr fehlerhaften Doktorarbeit“ ausgehe, ein „offensichtlich sehr schlechtes Signal“. Daher habe er dieses Signal beendet, also auf den Doktortitel verzichtet.

          Leer bleibt der Stuhl der Bundeskanzlerin

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