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Großer Zapfenstreich zum Abschied : Guttenberg will „Zeit der Buße“ einlegen

Großer Zapfenstreich: der zurückgetretene Verteidigungsminister zu Guttenberg mit seinem Nachfolger de Maizière und Generalinspekteur Wieker Bild: dpa

Verteidigungsminister de Maizière hat das Wirken seines Amtsvorgängers und die Kritik an dessen Verhalten als „unglaubliche Häme“ zurückgewiesen. Guttenberg wurde mit einem Großen Zapfenstreich verabschiedet - und sprach von einem „schmerzlichen Abschied“.

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          Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) hat das Wirken seines Vorgängers Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) lebhaft gelobt und die Kritik an Guttenbergs Verhalten in der Plagiatsaffäre als „unglaubliche Häme“ zurückgewiesen. Zugleich bekräftigte er, dass er an der unter Guttenberg begonnenen Neuausrichtung der Bundeswehr, insbesondere dem Verzicht auf die Wehrpflicht, festhalten will. Diese Ausrichtung sei „sicherheitspolitisch notwendig“. Guttenberg wurde mit einem großen Zapfenstreich verabschiedet, der größtmöglichen militärischen Ehrbezeugung. Als Musikstücke hatte sich der frühere Minister den „König Ludwig II. Marsch“, „Des Großen Kurfürsten Reitermarsch“ sowie den Hardrocksong „Smoke on the Water“ von Deep Purple gewünscht.

          Stephan Löwenstein

          Politischer Korrespondent für Österreich und angrenzende Länder mit Sitz in Wien.

          Guttenberg sprach zuvor von einem „schmerzlichen Abschied“. Er werde jetzt „eine Zeit der Reue, wahrscheinlich auch der Buße für Fehler, die man gemacht hat“ einlegen. Auch wenn die Fehler nicht mit der Amtszeit zusammenhingen, müsse man dafür einstehen, sagte er. Mehrfach spielte er auf seine Doktorarbeit an, in die er in großen Passagen Texte einkopiert hatte, ohne die Quelle anzugeben. Guttenberg sagte, er werde „das eine oder andere“ aufschreiben, wobei er in den letzten Wochen gelernt habe, dass das eigene Gedanken sein sollten. Ob er die Absicht hat, nach der „Zeit der Buße“ in die Politik zurückzukehren, ließ er offen.

          „Vielleicht regt sich bei dem einen oder anderen ein schlechtes Gewissen“

          Zu der Verabschiedung waren rund 450 Gäste gekommen. Aus dem Bundeskabinett kamen Kanzlerin Merkel (CDU), Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) und Gesundheitsminister Rösler (FDP), außerdem der Unionsfraktionsvorsitzende Kauder und die früheren Verteidigungsminister Jung (CDU) und Scharping (SPD).

          Verteidigungsminister de Maizière und sein zurückgetretener Amtsvorgänger zu Guttenberg beim Großen Zapfenstreich

          De Maizière sagte, Guttenberg habe sich „mit dem Einsatz der ganzen Person in den Dienst der Bundeswehr gestellt“. Sein bleibendes Verdienst werde es sein, in allen Parteien Unterstützung dafür geweckt zu haben, dass die Wehrpflicht ausgesetzt wird. Ohne auf die Plagiatsvorwürfe gegen Guttenberg wegen dessen Doktorarbeit im einzelnen einzugehen, sagte de Maizière: „Sie haben in diesen Tagen von Vielen Zuspruch und Solidarität erfahren, aber auch viel Kritik und unglaubliche Häme einstecken müssen. Und vielleicht regt sich bei dem einen oder anderen im Nachhinein ein schlechtes Gewissen oder jedenfalls Nachdenklichkeit, der vom selbsternannten höheren moralischen Standpunkt aus mit der Haltung der Unfehlbarkeit für sich in Anspruch nahm, über Sie öffentlich den Stab zu brechen. Wir sollten nicht so tun, als seien wir ohne Fehl und Tadel.“

          De Maizière verwies auf das biblische Wort von „Hosianna“ und „Kreuzige ihn“. Mit dieser indirekten Kritik an der Berichterstattung über die Plagiatsaffäre ging er über die Äußerungen von Frau Merkel hinaus, die vor allem die „Belehrungen“ aus der Opposition zurückgewiesen hatte.

          Guttenbergs Gesamtleistung werde „den letzten Eindruck überdauern“

          Was Guttenberg in den 16 Monaten seiner Amtszeit geleistet habe, werde „den letzten Eindruck überdauern“, sagte de Maizière. Guttenbergs regelmäßige Besuche in den Einsatzgebieten - allein in Afghanistan war Guttenberg zehn Mal - hätten zum einen dazu gedient, sich ein eigenes Bild von der Lage zu machen. Guttenbergs Ziel sei es aber auch gewesen, der deutschen Öffentlichkeit vor Augen zu führen, unter welchen Bedingungen die Soldaten eingesetzt werden, in einem „Einsatz wie im Krieg“. „Sie haben ganz wesentlich dazu beigetragen, dass wir der Wahrheit ins Auge sehen.“ De Maizière sagte auch: „Zustimmung zu den Einsätzen kann nur mit der Wahrheit errungen werden.“

          Unterdessen zeigte sich der Verband der Reservisten der Bundeswehr bereit, zusätzliche Aufgaben im Zuge der Reform zu übernehmen. Das könne unter anderem beim Schutz der Heimat, der Familienbetreuung oder in der Nachwuchswerbung für die Truppe sein, sagte der Vorsitzende des Reservistenverbandes, Höfer. Damit könne der von de Maizière geforderten Stärkung des ehrenamtlichen Charakters des Dienstes Rechnung getragen werden.

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