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Die Nachfolge Guttenbergs : Horst zu Seehofer

  • -Aktualisiert am

An Guttenbergs Seite wirkte er so harmlos und bodenständig: Horst Seehofer Bild: dpa

Der CSU-Chef läuft zur Bestform auf, mimt den Hinterbliebenen und will, dass der ehemalige Verteidigungsminister zu Guttenberg in die Politik zurückkommt. Dabei hat er neben „KT“ so bieder gewirkt.

          Irgendwie muss man Horst Seehofer bewundern. Viel Zeit hat er als CSU-Vorsitzender und bayerischer Ministerpräsident damit zugebracht, zu beteuern, dass er sich in keiner Weise von dem Phänomen „KT“ bedroht fühle. Tagein, tagaus bekundete er, wie ihn der Aufstieg des Karl-Theodor zu Guttenberg, nicht nur in CSU-Kreisen „KT“ genannt, von Herzen freue, wie sehr es ihn begeistere, dass der fränkische Freiherr weitaus beliebter als er selbst sei, wie glücklich er sich schätze, zu seinen Entdeckern und Förderern zu gehören. In dieser Prosa ging der CSU-Vorsitzende ganz auf, auch wenn Guttenberg nörgelig entgegnete, seine Existenz verdanke er nicht Seehofer, sondern seinen Eltern.

          Tempi passati, könnte man meinen - doch weit gefehlt: Jetzt erst, nach der politischen Emeritierung Guttenbergs, läuft Seehofer zur Bestform auf und mimt den Hinterbliebenen, der sich nichts Schöneres vorstellen kann als die Rückkehr des Großplagiators. Am politischen Aschermittwoch in Passau debütierte Seehofer in dieser neuen Rolle, indem er, ein wenig verkrampft an das Rednerpult gelehnt, imaginierte, „KT“ sitze sicher gerade vor dem Fernseher und erlebe, wie sehr ihn seine „politische Familie“ vermisse. Hatte sich Guttenberg zu seinen politischen Lebzeiten noch gegen eine Zwangsadoption durch Seehofer wehren können - nun gibt es kein Halten mehr: Der Parteivorsitzende will, dass Guttenberg in der CSU allgegenwärtig bleibt - und verspricht, er werde alles tun, ihm den Weg zurück in die Politik zu ebnen.

          So bieder, so harmlos, so bodenständig

          Was sich für ein genialer Kunstgriff dahinter verbirgt, kann nur ermessen, wer die politische Romanze zwischen Seehofer und Guttenberg Revue passieren lässt. Sie hat recht einseitig begonnen, mit einer großen Einsamkeit Seehofers. Denn so recht wollte ihn nach dem Debakel der Landtagswahl 2008, als die glücklosen Dioskuren Erwin Huber und Günther Beckstein abtreten mussten, niemand in der CSU auf den Schild heben - zu überdrüssig war die Partei seiner Launenhaftigkeit und seines Wankelmuts. Aber nach dem Wahltag war weit und breit niemand anders da, der den Funken einer Hoffnung bot, mit ihm an der Spitze könnte die CSU ihren matt gewordenen Glanz wiederaufpolieren. Edmund Stoiber hatte aus Furcht vor allzu voreiligen Kronprinzen eine personelle Einöde hinterlassen - genützt hatte ihm diese Risikovorsorge freilich nichts, als sich die Putschisten im Kreuther Hochtal sammelten.

          Der soll zurückkommen: Parteichef Seehofer und seine Entdeckung KT

          Seehofer wurde unter der allgemeinen Erwartung inthronisiert, er werde, um die eigene Seriosität zu mehren, einen kreuzbraven Generalsekretär benennen - an solchen mittleren Begabungen ist die CSU immer noch reich. Doch Seehofer erwies sich wieder einmal als unberechenbar und erkor Guttenberg, mit einer überraschenden Wirkung. Mit dem Freiherrn an seiner Seite wirkte Seehofer so bieder, so harmlos, so bodenständig, wie es ihm auch mit drei jährlichen Fußwallfahrten nach Altötting nicht gelungen wäre.

          Sie spielten sich herrliche Pässe zu

          Genussvoll wurde in Boulevardblättern referiert, wie beide Politiker zusammen auftraten - Guttenberg als fleischgewordene Herrenausstatter-Phantasie, Seehofer in unförmigen Anzügen in Fehlfarben, bestens geeignet für Feuerwehrjubiläen und andere Höhepunkte im Leben eines bayerischen Politikers. Der luftige Guttenberg sorgte in der medialen Wahrnehmung für eine Erdung Seehofers, die ganze Beraterstäbe nicht zuwege gebracht hätten. Nichts Besseres hätte Seehofer, gebeutelt von privaten Turbulenzen, widerfahren können.

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