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Debatte über Guttenbergs Dissertation : Union spricht von einer „Schmutzkampagne“

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Der Stein des Anstoßes: die Doktorarbeit von Karl-Theodor zu Guttenberg Bild: dpa

Die Nacht zum Donnerstag verbrachte der Verteidigungsminister bei Bundeswehrsoldaten im afghanischen Kampfgebiet. An der Heimatfront sieht er sich Plagiatsvorwürfen ausgesetzt. Die Opposition sieht „Guttenbergs Glaubwürdigkeit“ gefährdet, FDP und Union warnen vor „Vorverurteilungen“.

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          Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) steht nach den Plagiatsvorwürfen im Zusammenhang mit seiner Dissertation bei der Opposition weiter in der Kritik. Dagegen erhält er Unterstützung aus den Reihen der Union, bei der von einer „Schmutzkampagne“ die Rede ist.

          Die Passauer Professorin Barbara Zehnpfennig, bei der Guttenberg offensichtlich Teile der Einleitung seiner Doktorarbeit abgeschrieben hat, forderte, ihm den Doktortitel abzuerkennen. Guttenberg hatte den Plagiatsvorwurf über einen Sprecher des Ministeriums am Mittwoch zunächst als „abstrus“ bezeichnet.

          Truppenbesuch in Afghanistan

          Seit Mittwochabend hielt sich Guttenberg zu einem nicht angekündigten, aber schon länger geplanten Truppenbesuch bei der Bundeswehr in Afghanistan auf. Das bestätigte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Berlin. Es war seine neunte Reise als Minister an den Hindukusch, zu der er im Anschluss an eine Kabinettssitzung in Berlin aufgebrochen war.

          Truppenbesuch in Afghanistan: Verteidigungsminister zu Guttenberg (CSU)

          Guttenberg verbrachte die Nacht zum Donnerstag im Außenposten Nord in der Provinz Baghlan. Der Stützpunkt gehört zu den gefährlichsten der Bundeswehr in ihrem Einsatzgebiet in Nordafghanistan. In Baghlan waren im vergangenen Jahr bei Gefechten und einem Anschlag insgesamt fünf deutsche Soldaten getötet worden. Anders als bei seinen beiden Reisen im Dezember mit Ehefrau Stephanie und Bundeskanzlerin Merkel (CDU) gibt es bislang keine öffentlichen Bilder seines Truppenbesuchs. Am Donnerstagabend soll Guttenberg einen Wahlkampftermin in Barleben in Sachsen-Anhalt wahrnehmen. Dies wäre der erste öffentliche Auftritt nach Bekanntwerden der Plagiatsvorwürfe gegen ihn.

          Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) fordert unterdessen, die Vorwürfe gegen Guttenberg sollten „ganz in Ruhe aufgeklärt werden“. Dem „Hamburger Abendblatt“ sagte sie: „Aufgeregte Kommentare sollten genauso unterbleiben wie Vorverurteilungen.“

          „Guttenberg droht Glaubwürdigkeit zu verlieren“

          „Der Lack ist endgültig ab“, sagte indes der verteidigungspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Rainer Arnold. „So geht's halt, wenn man sich zu sehr auf Hochglanz poliert“, zitiert ihn die „Mitteldeutsche Zeitung“. Sollte Guttenberg der Doktortitel aberkannt werden, wäre Guttenberg aus Sicht des SPD-Abgeordneten auch als Minister nicht mehr zu halten. „Guttenbergs Glaubwürdigkeit wäre dann völlig zerstört“, sagte Arnold. „Und ein Minister, der seine Glaubwürdigkeit verloren hat, kann nicht mehr wirklich arbeiten - im Bereich der Bundeswehr, in dem es in hohem Maße auf Vertrauen ankommt, vielleicht noch schwerer als in anderen Ressorts.“

          Der Grünen-Fraktionsvorsitzende Trittin sagte, Guttenberg könne die Verantwortung nicht abschieben. „Egal ob vorsätzliches Plagiat oder Schlamperei.“ Der stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag, Günter Krings (CDU), bezeichnete die Vorwürfe gegen Guttenberg dagegen in der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ als „lächerlich“. Guttenbergs Dissertation sei von einem der führenden deutschen Verfassungsrechtler wissenschaftlich betreut worden und in einem höchst renommierten Wissenschaftsverlag erschienen. Einzelne fehlende oder falsch gesetzte Fußnoten seien sicher ärgerlich, das könne aber nicht ernsthaft einen Plagiatsvorwurf begründen.

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