https://www.faz.net/-gpf-yge8

Das Leben zu Guttenbergs : Die Last, Elite sein zu müssen

Die Guttenbergs bei einem Empfang zu Ehren Prinz Charles' im April 2009 Bild: AFP

Karl-Theodor zu Guttenberg wollte immer großartiger sein, als er war. Sein familiärer Hintergrund half ihm bei seinem rasenden Aufstieg und ebnete ihm den Weg in den Boulevard. Aber er war auch eine Last, die Guttenberg nicht schultern konnte.

          4 Min.

          Die meisten Menschen wachsen nicht in einem Schloss auf. Wer hat schon einen Diener, einen Stallmeister, eine Hausdame, zwei Köchinnen, zwei Haushälterinnen, Chauffeur und Gärtner, so wie es heute noch auf Schloss Guttenberg der Fall ist? Wem wird das Mittagessen von einem livrierten Diener mit weißen Handschuhen gereicht? Wer kann die Vorfahren aus Jahrhunderten auf Ölgemälden im Ahnensaal seines Zuhauses betrachten?

          Eckart Lohse

          Leiter der Parlamentsredaktion in Berlin.

          Markus Wehner

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Karl-Theodor zu Guttenberg ist mit dem Bewusstsein eines zukünftigen Schlossherrn aufgewachsen. Er ist aber auch mit dem Anspruch aufgewachsen, Elite zu sein. „Elite nämlich – und das soll doch Adel sein – ist nie, wer sich absondert; oder gar, wer das Anderssein mit Bessersein verwechselt. Elite ist nur, wer sich im Heute und unter den Heutigen als solche ausweist und sich bewährt durch das, was er ist und durch das, was er tut. Einen alten Namen zu tragen ist also nichts weiter als ein Auftrag. Eine Last, kein Privileg. Ein Inhalt, keine Hülle, ein Müssen und niemals ein Dürfen.“

          So hat es Karl Theodor zu Guttenberg (ohne Bindestrich), der Großvater des am Dienstag zurückgetretenen Verteidigungsministers, in seiner Tischrede zur Hochzeit seines Sohnes Enoch formuliert. Und dieser, der Vater des bisherigen Lieblingspolitikers der Deutschen, hat den hohen moralischen Anspruch der oberfränkischen Adelsfamilie in die Worte gefasst, man müsse „für das, was man für richtig hält, zur Not auch sterben können“.

          Schloss Guttenberg in Guttenberg in Oberfranken

          Dieser Anspruch war nicht abstrakt. Da gab es den Urgroßonkel von Karl-Theodor zu Guttenberg, Karl Ludwig zu Guttenberg, der als Widerstandskämpfer von den Nationalsozialisten verhaftet und in den letzten Kriegstagen in der Nacht vom 23. auf den 24. April 1945 von der SS ermordet wurde. Da gibt es die Verbindung zu den Stauffenbergs durch mehrere Heiraten, nicht zuletzt hat eine Tante von Karl-Theodor zu Guttenberg einen Sohn des Hitler-Attentäters geheiratet.

          Da gibt es den CSU-Politiker Karl Theodor zu Guttenberg, den Großvater, der sich mit Franz Josef Strauß anlegte und mit dem SPD-Politiker Herbert Wehner befreundet war, mit dem er die Große Koalition einfädelte. Zuletzt kam durch die Heirat mit Stephanie zu Bismarck-Schönhausen noch der große Deutsche des 19. Jahrhunderts, Reichskanzler Otto von Bismarck, als Ururgroßvater der Ehefrau Guttenbergs ins Spiel. Mehr historischer Glanz geht nicht!

          Der familiäre Hintergrund hat Guttenberg bei seinem Aufstieg geholfen

          Das alles hat Karl-Theodor zu Guttenberg bei seinem rasenden Aufstieg geholfen, hat ihm den Weg in den Boulevard und die bunten Blätter der Republik geebnet, wo er und seine Frau so präsent sind, wie es zuvor kein Politiker in Deutschland gewesen ist. Aber es war auch eine Last, die Guttenberg nicht schultern konnte.

          Denn trotz der scheinbar günstigsten Startbedingungen hatte Karl-Theodor zu Guttenberg eine schwierige Kindheit. Seine Eltern trennen sich früh. Als Christiane zu Guttenberg, geborene Gräfin zu Eltz, sich von ihrem Mann trennt, ist Karl-Theodor etwa drei Jahre alt. Der Vater, bei dem er und sein anderthalb Jahre jüngerer Bruder Philipp bleiben, ist als Dirigent viel unterwegs.

          Die Söhne werden von einer liebevollen Kinderfrau großgezogen, die als Kind von Vertriebenen in die Ortschaft Guttenberg kam und bis heute in der Familie lebt. Die Mutter, die in Frankfurt die Filiale des Auktionshauses Sotheby’s leitet, besucht zwar die Söhne, ist aber in der Regel weit weg. Die Erziehungsmuster des Adels, welche die Betreuung durch eine Kinderfrau einschließen, prägen auch Karl-Theodors Kindheit – nur dass in seinem Fall die Kinderfrau auch die Ersatzmutter ist.

          Schon als Kind hat er ein Bierzelt in Minuten im Griff

          Weitere Themen

          „Eine gute Nachricht“ Video-Seite öffnen

          Merkel zum Brexit-Deal : „Eine gute Nachricht“

          Bei ihrer Ankunft in Brüssel hat Bundeskanzlerin Angela Merkel betont, dass sie besonders erfreut sei, dass irische Premier mit dem Deal zufrieden sei. Die Einigung auf einen neuen Deal sei eine „gute Nachricht“.

          Trump, Geiger, Hinz

          F.A.Z.-Hauptwache : Trump, Geiger, Hinz

          Trump sorgt für Unmut bei den Rheingauer Winzern, in Eschborn steht die Bürgermeisterwahl an, und die Wilke-Wurst hält Hessen weiter auf Trab. Das, und was sonst noch wichtig ist in Rhein-Main, steht in der F.A.Z.-Hauptwache.

          Topmeldungen

          Der britische Premierminister Boris Johnson (links) und Jean-Claude Juncker in Brüssel.

          Brexit-Einigung : Abschied von London

          Die Chance auf einen geregelten Brexit besteht. Europa muss das Thema hinter sich lassen, das so viele physische und psychische Ressourcen verbraucht hat. Doch die EU sollte sich nicht täuschen: Es verlässt nicht nur ein Nettozahler das gemeinsame Haus.
          Wolfgang Tiefensee beim Wahlkampf in Thüringen

          Wahlkampf in Thüringen : Frühstück bei Tiefensee

          Ob Rot-Rot-Grün in Thüringen weitermachen kann, hängt von vielen Dingen ab – unter anderem vom Abschneiden der FDP. Die schickt einen Spitzenkandidaten ins Rennen, der ganz nach dem Geschmack von Parteichef Christian Lindner ist.

          Globales Ranking : Apple ist die wertvollste Marke der Welt

          Die Marken von Amerikas Digitalkonzernen sind die wertvollsten der Welt, befindet eine neue Untersuchung. Deutschlands Autobranche schwächelt. Dennoch führt ein Autohersteller das deutsche Ranking an.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.