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Hongkong : Gewalt ohne Nutzen

  • -Aktualisiert am

Demonstranten mit selbstgebauten Gasmasken in Hongkong Bild: dpa

Das Misstrauen der Demonstranten gegen Hongkongs Regierung ist berechtigt. Aber Gewalt wird zu nichts führen. Sie könnte Peking als willkommener Vorwand für ein Eingreifen dienen.

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          In Hongkong versagt die Politik, und zwar schon seit Monaten. Anfangs hätte es relativ geringfügiger Zugeständnisse der Regierung bedurft, um großen Protesten die Grundlage zu entziehen. In Hongkong zeigt sich nun aber, wie tief das Misstrauen gegen China sitzt. Das hat sich freilich nicht nur über Monate, sondern über viele Jahre angereichert. China hat es für richtig gehalten, das angeblich so großartige Modell „Ein Land – zwei Systeme“ allmählich, aber eben leider auch systematisch auszuhöhlen.

          Das hat schließlich dazu geführt, dass Oppositionelle der Regierung nichts mehr glauben und mittlerweile meinen, nichts mehr zu verlieren zu haben. Das ist eine überaus gefährliche Situation, denn wenn sich jemand mit dem Rücken an der Wand wähnt, greift man schnell zu Mitteln, zu denen man tunlichst nicht greifen sollte. Man fragt sich, ob die Aktivisten wirklich glauben, die Regierung der Sonderverwaltungszone und damit letztlich Peking mit Gewalt in die Knie zwingen zu können.

          Und wenn man zu dem – wahrscheinlich zutreffenden – Schluss kommt, dass das wohl nicht gelingen dürfte, liegt die Frage nahe, wer bei den Demonstrationen so alles mit zündelt. Eine bessere Rechtfertigung für ein militärisches Eingreifen als exzessive Gewalt seitens der Demonstranten gibt es für die Regierung in Peking nämlich nicht. Das sollten die Demonstranten bei aller Empörung und allem berechtigten Misstrauen gegenüber Peking bedenken.

          Peter Sturm

          Redakteur in der Politik, zuständig für „Politische Bücher“.

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