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Weimarer Verhältnisse? (7) : Rätselhaftes Deutschland

  • -Aktualisiert am

Besuch aus Paris: Frankreichs Ministerpräsident Pierre Laval und Außenminister Aristide Briand grüßen im September 1931 vom Balkon des Hotels Adlon in Berlin eine schaulustige Menge. Bild: Ullstein

Kontinuität und Wiederkehr: Wie viel von der Weimarer Republik steckt in der heutigen Bundesrepublik? Und was ist von den alten Ängsten der Nachbarn vor den Deutschen geblieben? Welche erwachen wieder angesichts dessen, dass das Land auf der Landkarte des Rechtspopulismus kein weißer Fleck mehr ist? Ein Blick von außen.

          In Paris, Rom oder Warschau, in London und Madrid weiß die Mehrheit der Menschen sehr wenig über die Weimarer Republik. Allenfalls weckt der Name Bilder der Massenarbeitslosigkeit, der Hyperinflation und der politischen Gewalt. Man denkt an den Ansturm auf die Republik durch die Extreme und an den Zusammenbruch einer fragilen Demokratie. In den Geschichtsbüchern all dieser Länder zeichnet sich Deutschland als dasjenige Land in Europa aus, dessen Demokratie den Erschütterungen der Zwischenkriegszeit am wenigsten standzuhalten vermochte und dessen Bevölkerung seine Freiheit verspielte und sich in Hitlers Diktatur stürzte. Wenn vom Geschichtsunterricht eines nicht vergessen wird, dann dieses: Weimar war das Vorzimmer des Hitlerismus.

          Dies ist ein vereinfachtes, wenngleich nicht völlig falsches Grundwissen, das mit einem der am weitesten verbreiteten Vorurteile über Deutschland bei seinen Nachbarn verbunden ist, nämlich der Vorstellung, dass dieses rätselhafte Land immer alles etwas anders – und vor allem gründlicher – mache als die anderen. Wie in den zwanziger und dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts weckt Deutschland auch heute bei vielen auswärtigen Beobachtern Neugier, macht sie bisweilen stutzig und einige sogar unruhig. Damals freilich gab es gute Gründe, von Deutschland abgestoßen zu sein; heute fällt das Land eher als konkurrenzloser Musterschüler auf.

          Die Frage, ob in Deutschland die Rückkehr von Weimarer Verhältnissen bevorstehe, ruft also beim Beobachter aus dem Ausland eher Kopfschütteln hervor. Deutschland hat eine der florierendsten Volkswirtschaften des Kontinents, die wirtschaftliche Basis ist gesund, die Inflation ein Begriff aus dem vorigen Jahrhundert, und die Finanzkrise des Jahres 2008 war für dieses Land nur ein kurzer Frühjahrsschauer. Insbesondere in den Bereichen, in denen die Nachbarn sich schwertun, gilt Deutschland als Primus und Besserwisser: satte Überschüsse, funktionierender Sozialstaat, weitgehende Vollbeschäftigung und eine auffallend souveräne Demokratie mit besonnenen Politikern und einem Talent für den Kompromiss.

          Lange hielt sich auch der Eindruck, die deutsche Gesellschaft bleibe vom Terrorismus verschont. Kommt aber in den Medien die Nachricht, dass es in Deutschland nun auch ein rechtsextremes Wahlangebot gibt und dass einige Bürger mit fremdenfeindlichen Parolen durch deutsche Straßen ziehen, wird bei den Nachbarn sofort die Stirn gerunzelt. Reflexartig werden solche Vorkommnisse als besonders unheilschwanger gedeutet, wenn sie in Deutschland zu beobachten sind.

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          Daher wirft die Frage, ob die Wiederkehr Weimars vor der Tür stehe, ein Paradox auf. Zwar spricht nichts dafür. Aber macht man sich nicht doch Sorgen, manchmal sogar im Ausland noch mehr als in Deutschland selbst? Und woher kommt der Verdacht, dass die fest etablierte deutsche Demokratie der Versuchung autoritärer Politikentwürfe erliegen und die Bevölkerung für rechtspopulistische Strömungen empfindlich sein könnte? Sollte nicht umgekehrt das Menetekel der Weimarer Republik auch für die europäischen Nachbarn an die Wand gemalt werden?

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