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RAF-Gründung vor 50 Jahren : Täter als Opfer, Opfer als Täter

  • -Aktualisiert am

Steckbrief von Ulrike Meinhof an einer Litfaßsäule nach der gewaltsamen Befreiung von Andreas Baader aus der Haft in Berlin am 14. Mai 1970 Bild: Ullstein

Im Mai 1970 gründete sich die „Rote Armee Fraktion“. Geschichte ist sie nicht. Noch immer harren zahlreiche Morde der Aufklärung. Aber die Propaganda verfing niemals. Ein Essay.

          13 Min.

          Fünfzig Jahre nach ihrer Gründung am 14. Mai 1970 ist die „Rote Armee Fraktion“ (RAF) noch längst nicht Geschichte. Gerade Jahrestage liefern immer wieder Anlässe, um sich mit der RAF zu befassen. Denn nach wie vor sind viele Morde nicht aufgeklärt, darunter die Attentate auf den MTU-Vorstandsvorsitzenden Ernst Zimmermann 1985, Siemens-Vorstand Karl Heinz Beckurts und seinen Fahrer Eckhard Groppler 1986, den Diplomaten Gerold von Braunmühl 1986, den Bankier Alfred Herrhausen 1989 und den Präsidenten der Treuhandanstalt Detlev Karsten Rohwedder 1991.

          Das Abtauchen einer kleinen Gruppe junger Leute in den Untergrund, ihr terroristischer „Kampf“ gegen die westdeutsche Wohlstandsgesellschaft und ihre offenkundige Bereitschaft, sowohl zu morden als auch selbst zu sterben, üben auf manche eine „morbide Faszination“ (Petra Terhoeven) aus. Diese Gewaltbereitschaft verstört umso mehr, als die meisten RAF-Terroristen, insbesondere die führenden, nicht in bildungsfernen Milieus oder als Außenseiter aufgewachsen waren, sondern oft aus religiös und bildungsbürgerlich geprägten Elternhäusern stammten. Aus den sozialen Souterrains der Gesellschaft kam lediglich eine Minderheit in der RAF, darunter Peter-Jürgen Boock.

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