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Krieg gegen Napoleon : Waterloo – ein europäischer Sieg?

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Dem Koalitionssieg folgte ein Koalitionsfrieden

Der Sieg der Alliierten war nicht nur militärisch, sondern auch politisch von wesentlicher Bedeutung. Hätte Napoleon gesiegt, wären seine Truppen wahrscheinlich am Ende von der heranrückenden österreichisch-russischen Übermacht überwältigt worden. Es ist jedoch auch keineswegs ausgeschlossen, dass er seine Feinde einzeln besiegt und dann einen politischen Keil zwischen sie getrieben hätte. In jedem Fall hätten die Besetzung von Brüssel und in der Folge der überstürzte Rückzug der Briten zu den Häfen am Ärmelkanal und der Preußen zurück nach Deutschland eine völlig andere strategische Lage geschaffen. Wenn Napoleon in einer späteren Phase doch besiegt worden wäre, wäre das Ergebnis eine abermalige Besetzung Frankreichs durch die östlichen Mächte, ein weitaus härteres Friedensabkommen und eine deutlich geringere Rolle Großbritanniens gewesen.

Stattdessen folgte dem Koalitionssieg in Waterloo ein Koalitionsfrieden. Die Großmächte schufen ein Kongresssystem für den Umgang mit internationalen Problemen auf multilateraler Grundlage. Die Briten bestanden auf einer liberaleren Übereinkunft. So vermochte Außenminister Lord Castlereagh zwar kein explizites Verbot des internationalen Sklavenhandels, aber immerhin eine gemeinsame Erklärung durchzusetzen, in der die beteiligten Länder ihren „Abscheu“ gegenüber diesem Handel bekundeten; diese Erklärung diente der Royal Navy später als moralische Rechtfertigung, um auf hoher See gegen den Sklavenhandel vorzugehen.

Außerdem erlangte die allgemeine Skepsis der Briten gegenüber exzessiven Eingriffen in die zwischenstaatlichen Beziehungen der europäischen Staaten nach 1815 dank der herausragenden Rolle der Briten beim Sieg in Waterloo größere Autorität. Das zeigte sich in dem beispiellosen Ansehen, das Wellington nun in Europa genoss, der nicht nur in Britannien, sondern auf dem ganzen Kontinent vergöttert wurde. Heute ist sein Wohnsitz in Apsley House vollgestopft mit Gemälden, Silberservicen, Statuen und anderen Objekten, die er als Anerkennung von den gekrönten Häuptern Europas und anderen Bewunderern erhielt.

Eine gemeinsame Armee für Europa ist unabdingbar

Heute hat das Verständnis für das Vermächtnis der Schlacht von Waterloo zusätzliche Bedeutung erhalten angesichts der Herausforderungen, vor denen die Europäische Union an ihren Flanken steht, insbesondere im Osten durch Russlands territorialen Revisionismus und ideologische Feindseligkeit gegenüber dem europäischen Projekt. Der Präsident der Europäischen Kommission, Jean-Claude Juncker, sah sich veranlasst, die Schaffung einer europäischen Armee zu fordern. Das sei „eine klare Botschaft an Russland, dass es uns ernst ist mit der Verteidigung unserer europäischen Werte“. Sein Aufruf wurde von der deutschen Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen aufgegriffen.

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