Vor 70 Jahren :
Eine schändliche Operation

Von Karl-Peter Schwarz
Lesezeit: 13 Min.
Stalin wollte Rache - und Churchill wollte das Einvernehmen mit ihm nicht gefährden: Wie die britische Armee in den Wochen nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs Zehntausende Kosaken, Kaukasier, Slowenen und Kroaten aus Österreich an die Sowjetunion und an Titos kommunistische Partisanen auslieferte. Die Geschichte einer Völkerwanderung, die im GULag und in jugoslawischen Massengräbern endete.

Drei Wochen nach Kriegsende, am Abend des 27. Mai 1945, kam Major Rusty Davies ins Hauptquartier der Kosaken im Lienzer Hotel „Zum goldenen Fisch“ und erteilte eine Order. Alle Offiziere, sagte Davies, würden zu einer Konferenz mit dem britischen Feldmarschall Harold Alexander gebracht werden, dem Oberkommandierenden der alliierten Streitkräfte im Mittelmeerraum. Der 76 Jahre alte Kosakengeneral Pjotr Krasnow, ein guter Bekannter Alexanders aus der Zeit des gemeinsamen Kampfes gegen die Bolschewiken im russischen Bürgerkrieg, war erleichtert. Gerade erst hatte er ihn in einem Brief um eine Aussprache gebeten, und schon kam die Einladung. Krasnow hoffte, dass Großbritannien die Kosaken als Staatenlose anerkennen und ihnen Asyl gewähren würde.

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