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Vor 100 Jahren : Erst siegen

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Appelle, Frieden zu schließen, hatte es seit August 1914 immer wieder gegeben. Schon im ersten Kriegswinter hatte Präsident Wilson seinen Vertrauten Oberst Eward M. House zu Sondierungsgesprächen nach London, Berlin und Paris entsandt – ohne irgendwo auf eine Kompromissbereitschaft zu treffen, die die Voraussetzung für einen Friedensschluss hätte sein können. Ende 1916 ergriff Reichskanzler Bethmann Hollweg die Initiative und forderte am 12. Dezember die Alliierten dazu auf, sich auf Friedensverhandlungen einzulassen. Wilson, der im November als Präsident wiedergewählt worden war, drängte seinerseits die Kriegsparteien in einer Note vom 21. Dezember, in einen „Meinungsaustausch über ihre Friedensbedingungen und Forderungen“ einzutreten. Aber die Regierungschefs Frankreichs und Englands lehnten ab. Der deutsche, sehr vage gebliebene Vorschlag sei ein „Taschenspielermanöver“, der Kanzler Bethmann Hollweg ein „Verbrecher“.

Die Friedensbereitschaft war Anfang 1917 schon deshalb nicht groß, weil sich die französischen Militärs von ihrer Frühjahrsoffensive und die Deutschen von dem nunmehr uneingeschränkten U-Boot-Krieg eine Entscheidung zu eigenen Gunsten versprachen. Über den Sommer aber wurde klar, dass diese Rechnungen nicht aufgingen. Die französische Nivelle-Offensive war gescheitert, massenhafte Meutereien hatten den Abbruch des Vorstoßes und den Austausch des Oberbefehlshabers erzwungen. Der U-Boot-Krieg brachte aus deutscher Sicht nicht die von der Obersten Heeresleitung (OHL) erhofften Erfolge, was insoweit das Schlimmste befürchten ließ, als die Zeit eilte: Großbritannien sollte zur Kapitulation gezwungen werden, bevor die Amerikaner ihr militärisches Potential auf dem Kontinent zur Geltung bringen konnten. Zugleich waren die Amerikaner, die im April 1917 in den Krieg eingetreten waren, erstmals ernüchtert über das Ausmaß des deutschen Durchhaltevermögens. Die allgemeine Ernüchterung schien plötzlich das Fenster zur Friedensbereitschaft aufzustoßen. Diese Gelegenheit wollte Benedikt XV. nutzen.

„Dès le début“ – Von Anfang an, so lauten die ersten Worte der Friedensinitiative des Papstes vom 1. August 1917. Mit Berechtigung konnte Benedikt XV. darauf verweisen, dass er sich seit Beginn seines Pontifikats unermüdlich für den Frieden eingesetzt habe. Einen Monat nach Ausbruch des Krieges war Giovanni della Chiesa am 3. September 1914 zum neuen Papst gewählt worden. Dass die Wahl auf den gänzlich uncharismatischen, 60 Jahre alten Erzbischof von Bologna fiel, der erst im April zum Kardinal ernannt worden war, kam für viele völlig überraschend. Vermutlich aber waren in Zeiten des Krieges gerade seine Fähigkeiten gefragt: Benedikt XV. war Jurist und Diplomat.

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