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Amerika unter Trump : Die zerrissene Nation

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Rechte Medienwelt und Politik sind mittlerweile symbiotisch verwoben. So war es maßgeblich Glenn Beck, der mit Geld der Koch-Brüder 2009 die ultrakonservative Tea-Party-Bewegung innerhalb der Republikanischen Partei aus der Taufe hob und groß machte. Und Trump, ein besessener Fox-News-Seher, rekrutierte mehrere Moderatoren und Kommentatoren der rechten Medienszene für seine Regierung. Zwar gibt es auch linke TV-Kanäle wie MSNBC, aber deren Reichweite ist geringer als die von Fox News. Demokraten nutzen breitere Informationsquellen als die Republikaner, darunter bewährte Medien wie die „New York Times“, die „Washington Post“ sowie die nichtkommerziellen Fernseh- und Radiosender PBS und NPR. Insgesamt verstärken das Internet und die sozialen Medien die Tendenz bei den Wählern, nur mehr Nachrichten und Kommentare an sich heranzulassen, die die eigene Weltsicht bestätigen. Republikaner und Demokraten leben heute in parallelen Medienuniversen, die sich nurmehr selten berühren.

Schließlich erlauben neue technologische Möglichkeiten den Parteien, Wähler gezielter anzusprechen und Wahlkreisgrenzen stärker zu manipulieren. Mussten sich Wahlkampfbotschaften früher an eine breite Klientel richten und deshalb moderat ausfallen, erlauben die über das Internet gewonnenen Datenmengen, die verschiedensten Gruppen von Abtreibungsgegnern bis hin zu Umweltschützern zu identifizieren und mit politischer Werbung anzusprechen, die exakt auf sie zugeschnitten ist. Da sich diese Botschaften an bereits Bekehrte richten, die es für eine Stimmabgabe zu mobilisieren gilt, fallen sie drastischer und polemischer aus, als wenn auch Unentschlossene über-zeugt werden müssten.

Verfeinerte Datensätze über die Wohnorte von Demokraten und Republikanern lassen es überdies zu, die Wahlkreise für das Repräsentantenhaus so zuzuschneiden, dass die eigene Partei davon profitiert. Dieses System ist seit dem frühen 19. Jahrhundert als „Gerrymandering“ bekannt. Es beruht darauf, in einem Bundesstaat möglichst viele Anhänger der gegnerischen Partei auf wenige Wahlkreise zu verteilen und die Unterstützer der eigenen Partei dergestalt auf die übrigen Wahlkreise zu verteilen, dass sie knappe, aber sichere Siege erringen. Da es meist die Parlamente der Bundesstaaten sind, die alle zehn Jahre die Grenzen der Wahlkreise neu festlegen, ist der Manipulation der Sitzzahl in der großen Kammer Tür und Tor geöffnet.

Die Republikaner haben das früher verstanden als die Demokraten. Nach dem Zensus von 2010 lancierten sie eine gigantische Initiative, um die Wahlkreisgrenzen neu zu ziehen: In ihrem „Redistricting Majority Project“ setzten sie ausgeklügelte Software und 30 Millionen Dollar dafür ein. Ziel war es, in möglichst vielen Bundesstaaten beide Parlamentskammern und den Gouverneursposten allein zu kontrollieren, weil diese 2011 die Wahlkreisgrenzen festlegten. Das gelang ihnen in 21 Staaten, den Demokraten nur in elf. Da die Republikaner dazu bevölkerungsreichere Staaten gewannen als die Demokraten, konnten sie vier Mal mehr Sitze gerrymandern. In North Carolina zum Beispiel gewannen die Republikaner 2016 zehn der 13 Sitze für das Repräsentantenhaus, obwohl sie nur 53 Prozent der Wählerstimmen erhielten. Insgesamt verstärkt das Gerrymandering den Trend zu sicheren Sitzen, was politisch extremere Kandidaten begünstigt.

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