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Amerika unter Trump : Die zerrissene Nation

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Angeheizt wird diese Partei-Asymmetrie durch die Veränderungen auf den Feldern Politikberatung, Lobbying, Medien und Wahlen. So ist die Zahl von weltanschaulichen Thinktanks in Washington explodiert. Waren Denkfabriken früher primär Forschungseinrichtungen, so sind sie jetzt häufig Auffangbecken für ehemalige Regierungsmitarbeiter und verfolgen gerade auf republikanischer Seite oft eine ideologische Agenda. Die Heritage Foundation, das American Enterprise Institute oder das Cato Institute versorgen die konservative Bewegung mit intellektueller Munition, das Center for American Progress, das Economic Policy Institute oder das Urban Institute engagieren sich für progressive Projekte. Heritage mit seinem Jahresetat von 113 Millionen Dollar etwa hat maßgeblich die Bush-Doktrin beeinflusst, die amerikanische Reaktion auf 9/11. Das Center for American Progress dagegen unterstützte massiv Obamas Gesundheitspolitik.

Auch Lobby-Gruppen greifen immer direkter in den amerikanischen Politikbetrieb und die öffentliche Debatte ein. Am bekanntesten ist die National Rifle Association (NRA), der Verband der Waffenbesitzer. 2016 betrug ihr Budget 434 Millionen Dollar. Ihr Ziel ist es, Politiker zu fördern, die sich jeder Einschränkung des Rechts auf Waffenbesitz widersetzen. Im Präsidentschaftswahlkampf 2016 spendete die NRA 30 Millionen Dollar an Trump. Americans for Prosperity, die bekannteste konservative Lobby, wird von den Multimilliardären Charles und David Koch finanziert und sponsert libertäre Politiker und Anliegen mit Hunderten von Millionen Dollar. Auf der politischen Linken setzt sich MoveOn.org seit 1998 für progressive Inhalte und Kandidaten ein. Seit einem Verfassungsgerichtsurteil 2010 dürfen sich Firmen, Gewerkschaften und Personen mit Mitteln in unbegrenzter Höhe in Wahlkämpfe einschalten, solange sie sich nicht mit den Parteien und ihren Kandidaten absprechen. Wirklich genutzt haben diese neue Freiheit bisher primär viele Milliardäre auf der Rechten wie die Koch-Brüder oder der Kasinomagnat Sheldon Adelson, dazu einige auf der Linken wie Tom Steyer und George Soros mit ihren oft radikalen und eigennützigen Agenden.

Veränderungen in der Medienlandschaft haben die parteipolitische Polarisierung intensiviert. Viele Jahrzehnte dominierten die drei großen Fernsehanstalten ABC, CBS und NBC den Nachrichtenmarkt. Das breite Spektrum der Zuschauer zwang die Sender, sich bei Auswahl und Kommentierung der Themen in der Mitte der Gesellschaft zu bewegen. Seit der Etablierung des Kabelfernsehens ist die Zahl der Sender explodiert, die Einschaltquoten der traditionellen Nachrichtenshows sanken um zwei Drittel.

Vor allem die Republikaner haben sich seither ihre eigene Medienwelt geschaffen. Am wichtigsten war 1996 die Gründung von Fox News, das sich in den folgenden 20 Jahren zum konservativen Leitmedium entwickelte. Vorbereitet und flankiert wurde Fox News von rechten Radiomoderatoren wie Rush Limbaugh und Glenn Beck. Sie waren die Ersten, die „liberal“ als Synonym für „links“ verwendeten und als Schimpfwort benutzten. Konservative Websites wie Drudge Report und Breitbart vervollkommnen mit Trumps Twitter-Ergüssen die ideologische Echokammer der Republikaner.

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