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Amerika unter Trump : Die zerrissene Nation

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Die wilde Revolution führte zur stillen Gegenrevolution. Konservativen waren die Reformen ein Greuel. Nirgendwo wurde dies deutlicher als in den Südstaaten. Viele Weiße, seit dem Bürgerkrieg treue Parteigänger der Demokraten, verübelten den Präsidenten Kennedy und Lyndon Johnson ihren Einsatz für die Schwarzen. Präsident Johnson war sich dessen bewusst. Ende Mai 1964 sagte er nach der Unterzeichnung des Bürgerrechtsgesetzes einem engen Vertrauten: „Ich denke, wir haben der Republikanischen Partei gerade den Süden für eine lange Zeit ausgehändigt.“ So kam es. Stellte die Demokratische Partei 1964 90 Prozent der Südstaaten-Abgeordneten im Repräsentantenhaus, waren es 2010 gerade noch 15 Prozent.

Die Neuausrichtung (realignment) des Südens war lediglich ein Faktor in der beginnenden weltanschaulichen Selbstsegregation der Parteien: Strenggläubige Christen, Gegner der diversen Emanzipationsbestrebungen, Kritiker des Wohlfahrtsstaats und jeder Art von Regulierungen, Advokaten von drastischen Gesetzen gegen Kriminalität und Rauschgift sahen ihre politische Heimat zunehmend bei den Republikanern, während ethnische und sexuelle Minderheiten, religiös Ungebundene, Umweltschützer und Unterstützer von Sozialprogrammen mehr und mehr zu den Demokraten tendierten. Mit George McGovern 1972, Walter Mondale 1984 und Michael Dukakis 1988 nominierte die Demokratische Partei dezidiert linke Präsidentschaftsbewerber. Dagegen hofierten Kandidaten der Republikaner wie Richard Nixon und Ronald Reagan die „schweigende Mehrheit“ wertkonservativer und evangelikaler Wähler. Nixon und Reagan verfolgten zugleich eine „Südstaatenstrategie“, die darauf abzielte, dort lebende Weiße mit latent antischwarzen Code-Wörtern wie „Recht und Ordnung“, „Rechte der Bundesstaaten“ und „Kampf gegen Quoten“ dauerhaft an ihre Partei zu binden.

Das Parteiensystem, in dem ein Demokrat aus dem Süden in vielen sozialen und politischen Fragen konservativer war als ein „Rockefeller-Republikaner“ aus den Neuengland-Staaten, begann sich neu zu ordnen. Seit den 1970er Jahren rückte die Demokratische Partei etwas nach links und die Republikanische massiv nach rechts. Zwar konnte sich bei den Republikanern 1988 und 1992 mit George H. W. Bush noch einmal ein Vertreter des moderaten Flügels als Präsidentschaftskandidat durchsetzen. Doch schon auf dem Nominierungsparteitag der Republikanischen Partei 1992 in Houston rief der Rechtspopulist Pat Buchanan einen „Kulturkrieg“ gegen das linke Amerika aus. Zwei Jahre später war es Newt Gingrich, der die republikanischen Kongresskandidaten bei den Zwischenwahlen erstmals auf ein konservatives nationales Wahlprogramm einschwor. Dieser „Contract with America“ wollte Strafen für Kriminelle verschärfen, Sozialprogramme streichen, Steuern reduzieren, weniger mit den Vereinten Nationen kooperieren, die Rechte der Einzelstaaten ausbauen und die Familien stärken. Der Erfolg gab Gingrich recht: Nach 40 Jahren eroberten die Republikaner wieder das Repräsentantenhaus, er selbst wurde einflussreicher Sprecher der Kammer.

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