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Unabhängigkeitsbewegungen : Adiós España

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Prat de la Riba repräsentiert jenen Intellektuellen, bei dem sich der kulturelle mit dem politischen Katalanismus verband. Öffentlichkeitswirksam warb er in Manifesten für einen Katalanismus, zu dessen Kanonisierung er Einführungswerke wie das „Kompendium der katalanistischen Doktrin“ verfasste. Darüber hinaus war er an der Gründung und dem Betrieb katalanischer Kulturzentren beteiligt, ebenso wie an der Niederschrift der „Bases de Manresa“ von 1892, in denen erstmals eine katalanische Autonomie innerhalb eines föderativ verfassten Staats gefordert wurde. Katalanisch sollte die alleinige Sprache sein und Katalonien eine umfassende Zuständigkeit von der öffentlichen Ordnung über Finanzen und Steuern bis zum Bildungssystem erhalten. Es war nicht zuletzt Prat de la Riba, der dazu beitrug, dass der Begriff „Region“ mehr und mehr durch „Nation“ ersetzt wurde.

Prat war auch führend bei der Gründung politischer Organisationen, aus denen nach diversen Abspaltungen und Fusionen 1901 die Partei „Lliga Regionalista“ hervorging. Der bis heute anhaltende Kampf der Katalanen um mehr Autonomie auf politischer Ebene hatte begonnen.

Dabei vertrug sich das katalanische Zugehörigkeitsgefühl in dieser Zeit noch durchaus mit einer spanischen Identität, wie in dem 1916 veröffentlichten Manifest „Für Katalonien und ein Großes Spanien“ zum Ausdruck kam. Hier wurde „Größe“ gerade für den Fall in Aussicht gestellt, dass Spanien dazu übergehen sollte, den Regionen volle Autonomie zu übertragen und sie entsprechend ihrer Bedeutung an der Gesamtregierung zu beteiligen.

Die Lliga Regionalista arbeitete mit den Regierungen der Restauration (1875-1923) durchaus bereitwillig zusammen. Erstens stimmten die gesellschaftlichen, politischen und religiösen Ordnungsvorstellungen überein, sodann verband beide Seiten die Angst vor einer Revolution. Die soziale Frage hatte in Katalonien insofern an Schärfe gewonnen, als die Arbeiter an der Prosperität der Wirtschaft keinen Anteil hatten. Die Spannungen entluden sich das erste Mal 1909. Eine Meuterei gegen Rekrutierungen für den Kolonialkrieg in Marokko mündete in einen antiklerikalen Sturm, der unzählige Klöster und Kirchen in Flammen aufgehen ließ. Die Arbeiterunruhen von 1917 trugen dazu bei, die Kampagne der Katalanisten für eine föderalistische Verfassungsrevision vorerst einzustellen. Das von den katalanischen Anarchosyndikalisten 1919 beschlossene radikale Programm führte angesichts der Unnachgiebigkeit der Unternehmerverbände zu Sozialkonflikten, die als die heftigsten im Europa der Nachkriegszeit gelten. In den vier Jahren von 1919 bis 1923 wurden rund 700 politische Attentate verübt.

Angesichts dieser Unruhen begrüßten die Repräsentanten der Lliga Regionalista den Militärputsch Miguel Primo de Riveras im Jahr 1923, der für die nächsten sieben Jahre in Madrid eine Diktatur errichten sollte. Sosehr dessen Regime auch den Wirtschaftsinteressen und Gesellschaftsvorstellungen der Lliga entsprach, so bedrückend entwickelte sich die Diktatur für die Interessen des Katalanismus.

Primo de Rivera, dessen Motto für Spanien „una, grande e indivisible“ lautete, wollte den Separatismus im Keim ersticken und untersagte sämtliche Institutionen, Riten und Symbole, die im Verdacht standen, den Katalanismus zu befördern. Selbst der FC Barcelona wurde zwischenzeitlich verboten.

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