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Unabhängigkeitsbewegungen : Adiós España

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Gemäß der Faszination der Romantik für das Mittelalter lassen sich die Gründungsmythen der Nationen zumeist auf diese Zeit zurückführen. Als Stammvater Kataloniens gilt Wifred der Behaarte, Guifré el Pilós, der im 9. Jahrhundert vom fränkischen König mit einigen Grafschaften der „Spanischen Mark“ im Grenzland zum islamischen Al-Andalus belehnt worden war. Indem Wifred das Erbrecht überlassen wurde, entstand die Dynastie der Grafen von Barcelona. Der Legende nach gehen das Wappenzeichen und damit die Flagge Kataloniens auf ihn zurück: Nachdem er im Krieg gegen die Mauren schwer verletzt worden sei, habe ein tiefbetrübter Kampfgenosse vier Finger in die blutenden Wunden des Sterbenden getaucht und sie über dessen goldenen Schild gleiten lassen.

Verbürgter ist das Territorium, über welches Wifred herrschte und das in den folgenden Jahrhunderten durch Eheschlüsse, Erbfälle oder Eroberungen erheblich erweitert wurde. Es reichte schließlich im Norden über die Pyrenäen hinaus bis in die Provence, im Westen bis nach Aragonien, im Süden bis nach Valencia und im Osten über das Mittelmeer bis zu den Balearen. Selbst Sizilien, Sardinien und Neapel konnten zwischenzeitlich in den Herrschaftsbereich eingegliedert werden. Die Krone Aragón galt damit als Vormacht im Mittelmeer und neben Kastilien und Portugal als eines der großen Königreiche der Iberischen Halbinsel.

Die innere Verfassung des Königreichs Aragón entsprach insofern einer Konföderation, als Valencia, Aragonien und die Grafschaft Barcelona eigenständige Entitäten mit Sonderrechten blieben. So gab es in der Grafschaft Barcelona, für die sich der Name „Katalonien“ allmählich etablierte, im 13. Jahrhundert bereits Ansätze parlamentarischer Repräsentationsformen auf der Basis einer „Usatges“ genannten Gesetzessammlung. Dieser „Paktismus“ wurde später zum Charakteristikum katalanischer Herrschaftsform stilisiert.

Auf die Zeit mittelalterlicher Blüte folgte - und damit entfernt sich die katalanische Geschichtsschreibung von der kastilischen - eine Krisenzeit. Gilt die Herrschaft der Katholischen Könige Isabella und Ferdinand für Kastilien als die „große Zeit der spanischen Geschichte“, bedeutet das frühe 16. Jahrhundert für die Katalanen den „Niedergang“: Durch die Fokussierung auf das kastilische Zentrum und die außenpolitische Neuausrichtung auf die lateinamerikanischen Besitzungen wurde Katalonien gleich doppelt zur Peripherie. Das Katalanische wurde in den Kanzleien der Krone Aragón mehr und mehr durch das Kastilische verdrängt.

Die weiteren Erzählungen kreisen um die konfliktreiche Beziehung zwischen Kastilien und Katalonien. Zwischen den Kategorien „Triumph“ und „Trauma“ oszilliert dabei die Erinnerung an die Ereignisse des Jahres 1640. Katalonien wurde in die internationalen Verwicklungen des Dreißigjährigen Krieges hineingezogen. Der spanische König Philipp IV. ließ seine Truppen über Katalonien nach Frankreich vorrücken. Eine Revolte der bäuerlichen Bevölkerung, die sich über Misshandlungen durch kastilische Soldaten erregte, mündete in eine erste politische Sezession: Der Präsident Generalitat, der Ratsversammlung der Grafschaft Barcelona, rief die katalanische Republik aus.

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