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Ukraine : Putins Projekt

  • -Aktualisiert am

Bild: (c) GLEB GARANICH/Reuters/Corbis

Die Ukraine hat keine Zukunft ohne Europa. Aber Europa hat auch keine Zukunft ohne die Ukraine. Über die Jahrhunderte haben sich in dem Land die Wendepunkte der europäischen Geschichte gezeigt. 

          Die Geschichte der Staatlichkeit auf dem Gebiet der Ukraine beginnt mit zwei archetypisch europäischen Begegnungen. Zum mittelalterlichen Staat auf dem Gebiet der heutigen Ukraine gehört wie in Frankreich und England eine Begegnung mit den Wikingern. Die Männer aus dem Norden versuchten, eine Handelsroute zwischen der Ostsee und dem Schwarzen Meer herzustellen und benutzten das am Dnjepr gelegene Kiew als Handelsstation. Ihre Ankunft fiel mit dem Zusammenbruch eines früheren Chasaren-Staats zusammen, und ihre Führer heirateten Frauen aus der einheimischen slawischsprachigen Bevölkerung. So entstand das Gebilde, das als Kiewer Rus bekannt ist.

          Wie alle Staaten im mittelalterlichen Osteuropa war die Rus eine heidnische Region, die sich weniger zum Christentum bekehrte, als dass sie zwischen dessen westlicher und östlicher Variante wählte. Wie alle ihre Nachbarn zögerte sie zwischen Rom und Byzanz, bis ihre Herrscher sich für letzteres entschieden. Die Rus wurde durch Nachfolgestreitigkeiten ernsthaft geschwächt, bevor sie in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts durch die Ankunft der Mongolen zerstört wurde.

          An diesem Punkt zerfällt die Geschichte der Rus in verschiedene Teile. Die meisten Gebiete der Rus übernahm das Großfürstentum Litauen, ein riesiger Kriegerstaat mit der Hauptstadt Vilnius. Die litauischen Großfürsten stilisierten sich zu Erben der Rus und übernahmen zahleiche kulturelle Errungenschaften des Landes, zum Beispiel das Slawische als Hofsprache und Rechtstraditionen. Die Großfürsten waren zwar heidnische Litauer, ihre Untertanen jedoch in der Mehrzahl Ostchristen. Als die Großfürsten von Litauen in Personalunion auch Könige von Polen wurden, gehörten die meisten Teile der Ukraine dem größten europäischen Staat an. Durch die Verfassungsreform von 1569 konstituierte sich dieser Staat zu einer Adelsrepublik, dem Doppelstaat Polen-Litauen. In dieser »Republik beider Völker« gehörten die ukrainischen Lande zur polnischen Krone, die weißrussischen zum Großfürstentum Litauen. So wurde innerhalb der alten Rus eine neue Trennungslinie geschaffen.

          Dies war die erste Epoche eines oligarchischen Pluralismus in der Ukraine. Ukrainische Adelige hatten Sitz und Stimme in den Vertretungsorganen der Republik, doch die große Mehrheit des Volkes war in riesigen Landgütern organisiert, die Getreide für den Export produzierten. Zu den örtlichen Kriegsherren gesellten sich polnische Adlige hinzu wie auch Juden, die halfen, eine Feudalordnung im Lande zu errichten. In dieser Zeit beteiligten Juden sich an der Schaffung von Kleinstädten, die als Schtetl in die Geschichte eingingen.

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