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Ukraine : Putins Projekt

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Das Ergebnis der gemeinsamen deutsch-sowjetischen Invasion war die Niederlage Polens und die Zerschlagung des polnischen Staates, aber auch eine wichtige Entwicklung innerhalb des ukrainischen Nationalismus. In den 1930er Jahren hatte es in der Sowjetunion keine ukrainische Nationalbewegung gegeben; das wäre ganz unmöglich gewesen. In Polen gab es jedoch eine terroristische Untergrundbewegung namens Organisation Ukrainischer Nationalisten. In normalen Zeiten war sie kaum mehr als ein Ärgernis, aber mit dem Krieg wuchs ihre Bedeutung. Die OUN wandte sich gleichermaßen gegen die polnische und die sowjetische Herrschaft über die in ihren Augen ukrainischen Gebiete und sah daher in einer deutschen Besetzung des Ostens die einzige Möglichkeit, mit dem Aufbau eines ukrainischen Staates zu beginnen. So unterstützte denn die OUN Deutschland 1939 bei der Invasion Polens und dann erneut 1941, als Deutschland seinen Verbündeten verriet und die UdSSR angriff.

Auch die sowjetische Besetzung Ostpolens von 1939 bis 1941 begünstigte den ukrainischen Nationalismus. Die herrschende Klasse Polens und die Führer der überkommenen politischen Parteien der Ukraine wurden deportiert oder ermordet. Ukrainische Nationalisten, die es gewohnt waren, im Untergrund zu leben, kamen da besser weg. Linksgerichtete ukrainische Revolutionäre, von denen es vor dem Krieg recht viele gegeben hatte, gingen nach den Erfahrungen mit der sowjetischen Herrschaft oft zur radikalen Rechten über. Außerdem ermordeten die Sowjets selbst den Führer der ONU, was wiederum zu einem Machtkampf zwischen zwei jüngeren Männern, Stepan Bandera und Andrij Melnyk, führte.

1941 erprobten ukrainische Nationalisten eine politische Kollaboration mit Deutschland und scheiterten. Hunderte ukrainische Nationalisten beteiligten sich als Kundschafter und Dolmetscher am deutschen Angriff auf die Sowjetunion, und einige von ihnen halfen den Deutschen bei der Organisation von Pogromen. Ukrainisch-nationalistische Politiker versuchten, den Lohn für diese Kollaboration einzustreichen, indem sie im Juni 1941 eine unabhängige Ukraine ausriefen. Aber Hitler war an solch einer Aussicht absolut nicht interessiert. Viele Nationalistenführer wurden getötet oder inhaftiert. Stepan Badura verbrachte den Rest des Krieges in Sachsenhausen. Manche Ukrainer kollaborierten weiterhin mit den Deutschen, um militärische Erfahrung zu sammeln, oder in der Hoffnung auf eine politische Wende für den Fall, dass die Deutschen sie doch einmal brauchen sollten. Aber wie überall in Europa hatte die praktische Kollaboration zum überwiegenden Teil kaum etwas mit Politik zu tun.

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