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Ukraine : Putins Projekt

  • -Aktualisiert am

Das politische System führte zum Kosakenaufstand von 1648, in dem Freie, die sich dem System entzogen hatten, dessen Ordnung in Frage stellten. Sie schlossen ein schicksalhaftes Bündnis mit einem rivalisierenden Staat, der gleichfalls seine Wurzeln in der alten Rus hatte, dem Großfürstentum Moskowien. Die Stadt Moskau hatte an der Ostgrenze der Rus gelegen, und anders als die meisten Teile der Rus blieb sie unter direkter mongolischer Herrschaft. Während die Gebiete des heutigen Weißrussland und der Ukraine über Vilnius und Warschau mit der Renaissance und der Reformation in Berührung kamen, erreichte keine dieser Entwicklungen Moskau. Die Loslösung Moskaus von der mongolischen Herrschaft wird herkömmlich auf das Jahr 1480 datiert. Die Großfürsten von Moskau stilisierten sich wie die von Litauen zu Erben der Kiewer Rus. Aber nach der Zerstörung dieses mittelalterlichen Staates übten sie fast ein halbes Jahrtausend lang keine Herrschaft über dieses Gebiet aus. Die meiste Zeit wurde Kiew von Vilnius und Warschau aus regiert.

Mit den Kosakenaufständen begann der Niedergang des Doppelstaats Polen-Litauen; sie schufen die Voraussetzungen dafür, dass die Herrschaft über Kiew von Polen auf Moskowien überging. 1667 wurde das Territorium der heutigen Ukraine zwischen Polen-Litauen und Moskowien aufgeteilt, wobei Kiew an Moskau ging. Das ermöglichte den Kontakt zwischen Moskowien und Europa, und gebildete Eliten aus der Universität Kiew gingen nach Norden, um als Beamte und Fachleute in dem wachsenden Reich zu arbeiten. Dasselbe Muster wiederholte sich, als Polen-Litauen Ende des 18. Jahrhunderts vollständig zwischen Moskowien (nun das Russische Reich), Preußen und der Habsburger Monarchie aufgeteilt wurde. Das Russische Reich, das auf dem Gebiet der Höheren Bildung keine Tradition besaß, nutzte die in Vilnius und Kiew ausgebildeten Männer für seine Zwecke.

Im 19. Jahrhundert folgte die ukrainische Nationalbewegung gleichfalls recht typisch europäischen Mustern. Einige dieser gebildeten Leute, Laien und Geistliche, begannen gegen ihre eigenen Biographien zu rebellieren und erklärten, nicht die Eliten, sondern die Massen seien das Subjekt der Geschichte. Diese Entwicklung begann in Charkiv und breitete sich von dort nach Kiew und über die russisch-habsburgische Grenze nach Lviv (Lemberg) aus. Ukrainische Historiker des 19. Jahrhunderts gehörten zu den führenden Vertretern der europaweiten, in der Ukraine als Populismus bezeichneten Tendenz, das einfache Volk zu romantisieren. Dieser intellektuelle Schachzug ermöglichte auch die Vorstellung einer gemeinsamen ukrainischen Nation über die Grenzen des Russischen Reichs (wie Moskowien nun genannt wurde) und der Habsburger Monarchie hinweg (wo in einem kleinen, Ostgalizien genannten Gebiet Menschen lebten, die, wie wir heute sagen würden, ukrainisch sprachen).

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