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Gesellschaft : Linke Beziehungskisten

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Die Forderungen nach freier Sexualität zwischen Kindern und Erwachsenen schadeten den um Wählerstimmen werbenden Grünen erst, nachdem auf dem Lüdenscheider Programmparteitag der nordrhein-westfälischen Grünen vom 10. März 1985 die „gewaltfreie Sexualität“ zwischen Erwachsenen und Kindern in das Wahlprogramm aufgenommen worden war. Massive mediale Kritik, aber auch Proteste aus den eigenen Kreisverbänden, insbesondere von den Frauen, waren unüberhörbar geworden. Schon rund eine Woche später, am 16. März, entschied der Landeshauptausschuss, den Programmteil „Sexualität und Herrschaft“ auszusetzen. Auf einem Sonderparteitag in Bad Godesberg Ende März sprachen sich die Parteivertreter nach äußerst turbulenten Diskussionen für eine Schutzaltersgrenze von 14 Jahren aus. In der Landtagswahl am 12. Mai 1985 scheiterten die Grünen abermals an der Fünfprozentklausel.

Jetzt wurde der Einfluss der BAG SchwuP zurückgedrängt. Anfang 1987 löste sie sich auf. Spätestens seit Mitte der achtziger Jahre wurden kindliche Wünsche nach Nähe, Geborgenheit, Zärtlichkeit von der Erwachsenen-Sexualität abgegrenzt. Das Befreiungstheorem der siebziger Jahre hatte ausgedient.

Nach den heftigen Debatten vor der vorigen Bundestagswahl haben die Grünen im Sommer 2013 eine wissenschaftliche Untersuchung zur Pädophiliedebatte in Auftrag gegeben. Der bereits Ende 2013 vorgelegte „vorläufige Befund“ des Instituts für Demokratieforschung in Göttingen zeigt, dass diese Debatte um die Pädophilie während der siebziger und achtziger Jahre keineswegs auf das linksalternative Milieu begrenzt blieb. Jenseits der im Jahr 2010 intensiv diskutierten sexuellen Übergriffe auf Kinder in der katholischen und evangelischen Kirche oder in der reformpädagogischen Odenwaldschule war es auch in der Geschichte der Jugendbewegung immer wieder zu entsprechenden Übergriffen gekommen.

Während man hier jedoch die pädosexuellen Praktiken vertuscht und verheimlicht hatte, argumentierte man in der linksliberalen „Zeit“ der siebziger Jahre ebenso offen wie offensiv gegen die Furcht vor Pädophilie wie im linksalternativen Milieu selbst. „Zeit“-Autoren beklagten, dass „normabweichendes Verhalten“ vorschnell kriminalisiert werde. Es gab liberale Strafrechtsreformer und Sexualwissenschaftler, die sich als Gerichtssachverständige für Pädophile einsetzten. Die im Herbst 1978 gegründete „Deutsche Studien- und Arbeitsgemeinschaft Pädophilie e. V.“ (DSAP), eine „zentrale Kaderorganisation der Pädophilenbewegung“ (wie der Göttinger Demokratieforscher Franz Walter in seinem Zwischenbericht schreibt), suchte nicht nur Kontakte zu den Grünen, sondern auch Anschluss an FDP und SPD. Während Olaf Stüben von der DSAP in der „taz“ über die „kaputten Spießer“ und „Moralapostel“ lästerte und Kontakte zur Schwulen- und Lesbenbewegung suchte, hatten die Jungdemokraten im März 1980 die DSAP sogar zu ihrer Bundesdelegiertenkonferenz eingeladen und im März 1982 die allgemeine „Abschaffung des Sexualstrafrechts“ gefordert. Darüber hinaus haben Recherchen von Journalisten in den vergangenen Monaten ergeben, dass selbst der Kinderschutzbund zu Beginn der achtziger Jahre pädophilen Positionen eine Plattform geboten hatte. Auch in den Verbandszeitschriften von „pro familia“ waren pädophilenfreundliche Texte erschienen, sogar bis in die neunziger Jahre hinein.

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