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Gesellschaft : Linke Beziehungskisten

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Bis in die achtziger Jahre hinein erschienen in „tageszeitung“ und „Pflasterstrand“ immer wieder Artikel von pädophilen Aktivisten, die gegen die „moralinsauere“ bürgerliche Sexualmoral und gegen staatliche Repression wetterten. Auch in Teilen der linken Schwulenbewegung, deren Sexualität zu dieser Zeit als „pervers“ und „jugendgefährdend“ kriminalisiert wurde, gab es Solidaritätsbekundungen. Die Zeitschrift „Rosa Flieder“ etwa beschäftigte die sich oft und ausführlich mit den Forderungen der Pädophilen.

Bekannt ist auch eine Textstelle in Daniel Cohn-Bendits Selbstdarstellung „Der große Basar“ von 1975, in der er in Provokationspose ein fiktives Erlebnis aus einem Frankfurter Kinderladen schildert. Angeblich habe ihn ein fünfjähriges Mädchen am Hosenlatz gestreichelt. In der berühmten Selbstdarstellung der Berliner Kommune 2 hieß es bereits im Jahr 1969, dass die dreijährige Grischa den Körper eines erwachsenen Kommunarden so sehr gestreichelt habe, dass dieser daraufhin eine Erektion bekam. Erst die Erkenntnis des kleinen Mädchens, dass sein Geschlechtsorgan „zu groß“ sei, habe dazu geführt, dass sie den Gedanken an eine Kopulation fallenließ.

So provokativ der Selbstbericht dieser frühen Politkommune auch ist - der Vorgang stellt eine Ausnahme dar. Unter den rund 30 000 linken Wohngemeinschaften der siebziger und achtziger Jahre waren die allermeisten nicht einmal für Gruppensex, geschweige denn für Pädosexualität zu haben. Eine wissenschaftliche Befragung im Jahr 1974 ergab, dass nur acht Prozent der Wohngemeinschaftsbewohner feste Paarbeziehungen ablehnten. Die meisten wollten feste und monogame Partnerbindungen, Sexualpartner wurden außerhalb der Wohngemeinschaft gesucht. Entgegen manchen sensationslüsternen Darstellungen in den Medien bestand in der Tat eher eine Art unausgesprochenes „Gruppeninzestverbot“, um Eifersüchteleien innerhalb der Wohngemeinschaften zu vermeiden.

Auch innerhalb der Partei „Die Grünen“ waren Pädophilie und Pädosexualität Randthemen. Nicht einmal die konservativen Zeitungen oder die Boulevardpresse machten anfangs viel Aufhebens von der 1983 gegründeten grünen Bundesarbeitsgemeinschaft Schwule, Päderasten und Transsexuelle (BAG SchwuP). Dabei bot die grüne Partei den Pädophilen ein Forum, um für die Streichung der Strafbarkeit ihrer Sexualität aus dem Gesetzbuch einzutreten. Schon auf der Bundesversammlung in Saarbrücken vom Frühjahr 1980 hatten die Grünen beschlossen, die entsprechenden Strafparagraphen so zu entschärfen, dass sexuelle Handlungen mit Kindern unter 14 Jahren nur bei „Anwendung oder Androhung von Gewalt oder Missbrauch eines Abhängigkeitsverhältnisses“ strafbar sein sollten. Der Beschluss war offenbar unstrittig, denn es gab keine Änderungsanträge oder Minderheitenvoten. Sexuelle Libertinage rangierte in dieser Logik vor der Schutzbedürftigkeit der Kinder. In Resolutionen für die Landtagswahlprogramme in Rheinland-Pfalz, Bremen, Hamburg oder Berlin sprach man sich Anfang der achtziger Jahre dafür aus, die Pädophilie vom Sexualstrafrecht auszunehmen.

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