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Studie zum Linksextremismus : Gegen eine offene Gesellschaft

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- Weit verbreitet ist die Kritik an der Sozialen Marktwirtschaft. Viele, nicht nur Linksradikale und Linksextremisten, bezeichnen sie als neoliberalen Kapitalismus. Ein Drittel der Befragten - vorwiegend Jüngere und Personen aus dem linken politischen Spektrum - behauptet, der Kapitalismus gehe zwangsläufig mit Armut und Hunger einher. Die Zustimmung zu der These, Kapitalismus führe zwangsläufig zu kriegerischen Auseinandersetzungen, liegt mit 37 Prozent noch etwas höher. Vor allem Ostdeutsche, jüngere Jahrgänge sowie sich weit links Einstufende assoziieren Kapitalismus mit Krieg.

- Die Auffassung, Kapitalismus führe letztlich zum Faschismus, teilen insgesamt 16 Prozent der Bevölkerung, vor allem Arbeitslose und Sympathisanten der Linken. Von daher verwundert nicht, dass ein Viertel der Bürger in den alten und ein Drittel in den neuen Ländern für eine Überwindung des Kapitalismus zur Abschaffung der Herrschaft einer kleinen Minderheit plädiert. Knapp ein Fünftel - insbesondere Ostdeutsche und Arbeitslose, - sieht sogar die Gefahr eines „Faschismus“ in Deutschland.

- Eine nennenswerte Minderheit im Westen und eine absolute Mehrheit im Osten halten den Sozialismus/Kommunismus für eine gute Idee, die bisher nur schlecht verwirklicht wurde. Gleichwohl glaubt lediglich eine Minderheit von 13 Prozent, nur im Sozialismus/Kommunismus sei ein menschenwürdiges Leben möglich. Die Zustimmung liegt jedoch bei den jüngsten Befragten fast dreimal so hoch. Offenbar wirken die Erfahrungen mit dem untergegangenen DDR-System unterschiedlich nach.

Im Ergebnis weisen vier Prozent der Befragten ein nahezu geschlossenes linksextremes Weltbild auf; weitere 13 Prozent stimmen einzelnen Aspekten linksextremen Denkens überwiegend zu. Das linksextreme Personenpotential liegt insofern bei 17 Prozent - im Westen bei 14 und im Osten bei 28 Prozent.

Einzelne Facetten eines linksextremen Einstellungsmusters finden also eine zum Teil breite Zustimmung in der Bevölkerung. Die höchste Zustimmung erhalten die Behauptungen „Unsere Demokratie ist keine echte Demokratie, da die Wirtschaft und nicht die Wähler das Sagen haben“ (61 Prozent), „Eine tief verwurzelte Ausländerfeindlichkeit lässt sich bei uns überall im Alltag beobachten“ (48 Prozent), „In unserer Demokratie werden Kritiker schnell als Extremisten abgestempelt“ (45 Prozent) sowie „Die soziale Gleichheit aller Menschen ist wichtiger als die Freiheit des Einzelnen“ (42 Prozent).

Auch wenn linksextreme Einstellungsdimensionen in der Bevölkerung weit verbreitet sind, ist die Bereitschaft, das bestehende System mit Gewalt zu überwinden, eher gering ausgeprägt. Allerdings muss berücksichtigt werden, dass bei einer Befragung selbst Linksextremisten selten politisch motivierte Gewalt offen befürworten, auch wenn sie selbst Gewalt anwenden. Dass eine sehr breite Mehrheit der Linksextremisten das staatliche Gewaltmonopol ablehnt, überrascht nicht, aber dass nur knapp die Hälfte der Gesamtbevölkerung für seine Beibehaltung plädiert, erstaunt doch. Offenbar bereitet vielen seine Anwendung Unbehagen.

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