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Spanien : Das katalanische Problem

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Doch im Sog der Krise des Jahres 1898 und forciert durch eine wirtschaftliche Dynamik, die Madrid alt und Barcelona jung aussehen ließ, wurde innerhalb kürzester Zeit aus einer Besinnung auf die kulturellen Eigenheiten Kataloniens ein politischer Nationalismus. Er formierte sich in politischen Parteien und konfrontierte Madrid mit politischen Forderungen. Die Legitimation dieser Bewegung wurde nicht zuletzt aus dem nationalen Selbstverständnis abgeleitet: 1907 legte einer der geistigen Väter des katalanischen Nationalismus, Enric Prat de la Riba, sein Hauptwerk unter dem Titel: „La Nacionalitat Catalana“ vor.

Das Autonomiestatut, das daraufhin eingefordert und in der Zweiten Spanischen Republik 1932 bewilligt wurde, gewährte Selbstbestimmungsrechte, beließ Katalonien innerhalb des spanischen Staatsverbandes. Dass hingegen einige Nationalisten bereits mit der Unabhängigkeit liebäugelten, zeigte sich 1931, als noch vor der Proklamation der spanischen Republik eine Katalanische Republik ausgerufen wurde. Als der Präsident der katalanischen Generalitat im Oktober 1934 eigenmächtig einen „Katalanischen Staat“ ausrief, wurde dieses Experiment nur zehn Stunden später durch das Militär der Spanischen Republik beendet. Die Gestaltungsspielräume der autonomen Generalitat wurden damit schon zwei Jahre vor dem Bürgerkrieg wieder eingeschränkt; nach dem Sieg Francos verschwanden sie ganz.

Für die Franquisten waren die katalanischen und baskischen Nationalisten Teil des „Anti-Spanien“, welches Größe und Einheit Spaniens zersetzen wolle. Sie wurden Opfer von „Säuberungen“, mit denen sich das Regime in den ersten Jahren schonungslos seiner Gegner entledigte. Erst in den 1960er Jahren eröffneten sich neue Möglichkeiten für kulturelle Ausdrucksformen. Dies entsprach einer auch schon von Primo de Rivera vertretenen Überzeugung, wonach sich die spanische Nation aus einem kulturellen Pluralismus speise, dem in „harmlosen“ Manifestationen wie Theaterstücken, Liedern oder Tänzen Freiräume gelassen werden sollte.

Während des späten Franquismus zeigte sich, dass der Katalanismus tiefere Wurzeln geschlagen hatte denn je. Die Repression hatte dazu beigetragen, dass sich weite Teile der Bevölkerung stärker mit dem regionalen Nationalismus identifizierten. Gleichzeitig solidarisierten sich breite Kreise der gesamtspanischen Demokratiebewegung mit den Katalanen und Basken. Der Ruf nach Einführung von Autonomien gehörte bald zum Standardrepertoire der Forderungen, die in der Zeit des Übergangs zur Demokratie nach Francos Tod 1975 laut wurden. Dezentralisierung wurde fast zum Synonym für Demokratie, zumindest innerhalb des linken Parteispektrums.

Die Gruppierungen des rechten Lagers – und vor allem die hohen Militärs – sahen die Sache anders. Die „Einheit der Nation“, die zum Kernbestand der Rechtfertigung von Bürgerkrieg und Franquismus gehört hatte, war in ihren Augen nicht verhandelbar. Der Text der spanischen Verfassung von 1978 trägt daher an vielen Stellen die Spuren des Ringens um einen Minimalkonsens, der die entschlossenen Demokraten zufriedenstellen und die Repräsentanten des alten Systems nicht brüskieren sollte. Die Suche nach Kompromissen mündete vielfach in vage, zum Teil widersprüchliche Formulierungen, die die Konflikte in die Zukunft verlagerten.

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