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Spanien : Das katalanische Problem

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Dabei ist unstrittig, dass sich die Spanier heute als eine Nation verstehen, deren Herzstück die Kombination aus Vielfalt und Einheit ist. Die besondere Bedeutung der „Einheit“ ergab sich zunächst aus den historischen Erfahrungen der Zwietracht. Schließlich hatte es im 19. und 20. Jahrhundert mehrere Bürgerkriege und immer wieder schwere Arbeiterunruhen gegeben. Hinzu kam die Überzeugung, dass „Größe“ nur durch „Einheit“ zu haben sei. Schon daraus erklärt sich das Motto der spanischen Diktaturen: „Einig, groß und unteilbar“ (una, grande e indivisible) war der Leitspruch von Miguel Primo de Rivera, der von 1923 bis 1930 in Spanien herrschte. Bezeichnenderweise reagierte er dabei auf eine Krise in Katalonien, war doch die Region von den heftigsten Sozialkonflikten dieser Zeit geschüttelt.

„Einig, groß, frei“ (una, grande, libre) lautete kurze Zeit später das Motto der Franco-Diktatur (1936–1975). „Größe“ und „Einheit“ verweisen dabei nicht zufällig auf das 16. Jahrhundert, das im kollektiven Gedächtnis der spanischen Gesellschaft im 19. und 20. Jahrhundert zum konkurrenzlosen Sehnsuchtsort geworden war. Liberale wie Konservative beriefen sich auf diese Zeit, wobei sich die einen mehr an den kulturellen Hervorbringungen des „Siglo de Oro“ und die anderen mehr an der machtpolitischen Expansion orientierten.

Beiden politischen Gruppierungen war die „Einheit“ wichtig. Sie galt als die zentrale Hinterlassenschaft der Katholischen Könige Isabella I. von Kastilien und Ferdinand von Aragón. Durch Heirat und Eroberungen hatten die beiden Monarchen ausgangs des 15. Jahrhunderts die Iberische Halbinsel – bis auf Portugal – unter eine einheitliche Herrschaft zwingen können. Auf die politische Einheit folgte die religiöse: Nach der Eroberung des letzten islamischen Königreichs in Spanien im Jahr 1492 trugen die Vertreibung von Juden und (später) Mauren sowie Zwangstaufen und Inquisition zur Entwicklung eines Staatsgebildes bei, das sich vor allem durch seine Katholizität auszeichnete.

Über Jahrhunderte galt dies als Errungenschaft, ohne dass der Preis für diese Art Einheit problematisiert worden wäre. Dabei war sowohl die politische als auch die religiöse Einheit brüchig: Schon das Ausmaß physischer und psychischer Gewalt, mit welcher die Restbestände jüdischer Kultur getilgt werden sollten, ließ darauf schließen, wie viele conversos in der Gesellschaft abgetaucht waren. Um deren Einfluss zu unterbinden, wurde der Nachweis gefordert, dass über mehrere Generationen die Ahnenkette frei von Juden war. Über dieses Prinzip der „Blutsreinheit“ (limpieza de sangre) wurde erstmals in Europa ein ethnisches Prinzip zur Grundlage gesellschaftlicher Zugehörigkeit.

Noch fragiler war die territoriale Einheit. Die Territorien, die von den Katholischen Königen zusammengefügt worden waren, hatten ihre Selbständigkeit behalten und waren (fast) nur durch die Krone vereint. Diese „zusammengesetzte Monarchie“ wurde erst im Laufe des 18. und 19. Jahrhunderts durch ein stärker zentralistisches Modell ersetzt. Nach Niederlagen im Krieg nutzte die Krone die Schwäche der Katalanen und Basken aus, um deren Privilegien zu kappen und eine Zentralisierung voranzutreiben. Dies entsprach gängigen europäischen Prozessen der „Verstaatlichung“.

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