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Soziale Gerechtigkeit : Ungleich ist nicht immer ungerecht

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Die Antwort darauf muss sein, sozialen Ausgleich, soziale Gerechtigkeit und Verantwortung auf die Agenda der Weltpolitik zu setzen. Die Alternative wäre die Entglobalisierung und die Aufwertung des Nationalstaates, der Abbau von Freihandelszonen und suprastaatlichen Kooperationsstrukturen, wie sie insbesondere die Europäische Union entwickelt hat. Der Preis dafür wäre ein dramatischer Einbruch ökonomischer Dynamik, ein Verlust an Mobilität, kultureller Vielfalt und Weltoffenheit. Die Geschichte wird, anders als Hegelianer und Marxisten glauben, nicht von ehernen Gesetzen geprägt, sondern von den erratischen Entscheidungen, Präferenzen und Einschätzungen menschlicher Akteure.

Die Phase der Ent-Globalisierung hat es gegeben, sie endete im Nationalsozialismus und im Zweiten Weltkrieg. Es ist nicht ausgeschlossen, dass eine solche Phase wiederkehrt, wenn die entscheidenden demokratischen Kräfte es weiter versäumen, eine kosmopolitische Agenda unter dem Titel Weltsozial- und Weltinnenpolitik zu entwickeln, die die ökonomische Dynamik nach Kriterien der politischen Gerechtigkeit zum Instrument des Wohls aller macht, zumal der am schlechtesten gestellten Gruppen der Weltbevölkerung. Ein „Weiter so“ kann unter den aktuellen Bedingungen und angesichts der sich aufbauenden politischen Stimmungslagen nicht gutgehen. Die Demokratie in Europa, aber auch in den Vereinigten Staaten in Gefahr ist. Gleichzeitig hat sie in Ländern wie China, Singapur und Russland sowie in weiten Teilen Afrikas und im Mittleren Osten ihre Faszination eingebüßt.

Die Verbindung von Demokratie und von Kapitalinteressen geprägter Ökonomie wird nur Bestand haben, wenn die Politik die Eigengesetzlichkeiten ökonomischer Praxis und die Ökonomie das Primat der Politik im nationalen und internationalen Rahmen respektiert - wieder.

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