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Sicherheitspolitik : Kein Land in Sicht?

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Bild: AP

Deutschland ist, ohne es selbst zu merken, zu einer maritimen Macht geworden. Unser Wohlstand und unsere Sicherheit hänge stark davon ab, dass es auf See ruhig bleibt. Weil dem bisher nicht genügend Rechnung getragen wurde, sind wir verwundbar. Ein Plädoyer für eine dringend nötige Kurskorrektur.

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          Bundeskanzlerin Merkel soll einmal auf die Frage, um welche Themen sie sich kümmern würde, wenn es die Euro-Krise nicht gäbe, die Fischerei- und Meerespolitik genannt haben. Diese Antwort mag angesichts der neuen Aufgaben der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik verwundern. Wären es nicht militärische Interventionen in Afrika, das Verhältnis zu den aufsteigenden Schwellenländern in Asien, Lateinamerika und anderswo oder die Neubegründung der transatlantischen Partnerschaft, die die gesamte Aufmerksamkeit Berlins und der Bundeskanzlerin erforderten, gäbe es die Euro-Krise nicht? Aber die Kanzlerin hat mit ihrer Bemerkung, ob bewusst oder unbewusst, auf die zunehmende Bedeutung des Meeres für die Bundesrepublik Deutschland hingewiesen - und zugleich einen blinden Fleck in der politischen und gesellschaftlichen Debatte über die deutsche Außen- und Sicherheitspolitik sichtbar gemacht. Nicht nur die Wirtschaft, sondern auch die Sicherheit Deutschlands hängt zunehmend von Entwicklungen auf See ab.

          Im Jahr 2011 waren in der maritimen Wirtschaft Deutschlands etwa 400 000 Personen tätig. Die Wertschöpfung dieses Sektors belief sich auf 85 Milliarden Euro. Die Erholungs- und Kreuzschifffahrtsindustrie ist mit einem Umsatz von 2,4 Milliarden Euro bei den Hochseekreuzfahrten das Segment der Tourismusbranche, das am stärksten wächst. Alles in allem hat sich Deutschland zumindest ökonomisch zu einer maritimen Macht entwickelt. Nach Griechenland und Japan ist die Bundesrepublik mittlerweile die drittgrößte Schifffahrtsnation der Welt. Deutschland verfügt über die meisten Containerschiffe und hat im Jahr 2011 im Außenhandel erstmals deutlich mehr als eine Billion Euro umgesetzt.

          Neben der steigenden ökonomischen Bedeutung der See für Deutschland gibt es jedoch auch wachsende außen- und sicherheitspolitische Risiken und Bedrohungen, die vom Meer auf das Land wirken. 80 Prozent der Weltbevölkerung leben bis zu 100 Kilometer vom Meer entfernt und damit in Küstennähe, 90 Prozent des Volumens des globalen Warenhandels und etwa 60 Prozent seines Wertes werden über die Weltmeere verschifft, etwa drei Viertel dieser Waren passieren Nadelöhre in konflikthaften Regionen wie dem Suezkanal oder der Straße von Malakka.

          Auch wenn die Erweiterung der EU den Eindruck erweckt, der geographische Schwerpunkt der Union habe sich weiter in Richtung Kontinentaleuropa verlagert, ist der geopolitische Schwerpunkt weiterhin dem maritimen Raum zugewandt. Tatsächlich hat die Erweiterung nicht zu einer Abkehr vom maritimen Raum, sondern nur zu einer Refokussierung vom Atlantik, insbesondere der Arktischen See, hin zum Mittelmeer, der Ostsee, dem Schwarzen und dem Kaspischen Meer geführt. Die EU verfügt über eine Küstenlinie von etwa 89 000 Kilometer Länge und eine ausschließliche Wirtschaftszone von mehr als 25 Millionen Quadratkilometern, die Überseeterritorien einzelner Mitgliedstaaten eingeschlossen. Etwa 90 Prozent des Außenhandels und 40 Prozent des Binnenhandels der EU werden über den Seeweg abgewickelt; etwa vier Fünftel der europäischen Öl- und Erdgasproduktion stammen aus der Nordsee, dem Mittelmeer und der Adria. Die Europäische Union und damit auch Deutschland sind somit unmittelbar von Störungen auf See betroffen.

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