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Sexuelle Gewalt : Die Aufarbeitung steht erst am Anfang

  • -Aktualisiert am

Bild: dpa

Seit gut fünf Jahren gibt es eine Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs. Die Politik wollte eine Gewaltgeschichte nicht länger ignorieren, von der so viele Menschen betroffen sind und die mit Schweigen und Vertuschen einhergeht. Was ist seither geschehen? Was ist zu tun? Ein Gastbeitrag.

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          Sie habe keine Kindheit und auch keine Jugend gehabt. „Nichts, was man normalerweise im Jugendalter erlebt und macht, habe ich gelebt“, schreibt eine Betroffene sexueller Gewalt. Die junge Frau wurde zwischen ihrem sechsten und 13. Lebensjahr von ihrem leiblichen Vater missbraucht. Erst als Erwachsene hat sie ihre Mutter und ihre Geschwister mit den Gewalttaten und deren Wirkung auf ihr gesamtes Leben konfrontiert. Sie richtete außerdem ein ausführliches Schreiben an die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs und verlieh darin der Hoffnung Ausdruck, einen Beitrag zur Aufarbeitung dieser tabuisierten Gewaltform leisten zu können. Immer nachts sei der Vater zu ihr gekommen. Sie habe sich ihre Haut abkratzen wollen vor Ekel und Scham. Uns, für die der Bericht bestimmt war, führte sie das verstörte Grundschulkind vor Augen: „Ich hätte keine Worte gehabt, wäre irgendwo ein Hörer gewesen.“

          Der Bericht ist ein Dokument der Verwirrung und Verzweiflung eines von sexueller Gewalt betroffenen Kindes. Sie selbst wurde zur Zeugin familiären und gesellschaftlichen Versagens. Als Erwachsene nutzte sie die Möglichkeit, Zeugnis abzulegen und mit der Aufarbeitungskommission zu sprechen, um der gewaltvollen Kindheit und dem schmerzhaften Lebensweg eine positive Wendung zu geben. Die Frau beschrieb damit die Ziele gesellschaftlicher Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs. Aufarbeitung will erstens Betroffene anhören, ihren Erfahrungen und Widerfahrnissen Raum geben, zweitens gesellschaftliche Anerkennung von Unrecht einfordern, drittens zu Erkenntnissen über sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen in den zurückliegenden Jahrzehnten über alle Tatkontexte und strukturellen Ursachen hinweg beitragen und viertens über den Umgang mit betroffenen Menschen sowie mit dieser Gewaltform aufklären.

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