https://www.faz.net/-gpf-85cbd

Griechische Schuldenkrise : Gut genährt dank Rousfetia

  • -Aktualisiert am

Diese Haltung ging auf die idealistische Einstellung zurück, wonach das Land, in dem die Wiege der europäischen Kultur gestanden hatte, ein Recht auf Mitgliedschaft hatte - ein Argument, das in ähnlicher Form bis heute immer wieder vorgebracht wird, wenn Griechenland etwas durchsetzen will. Doch weder Giscard noch Schmidt erkannten, dass es mit einer formalen Demokratisierung nicht getan war. Um ein echtes Mitglied der Europäischen Gemeinschaft zu werden, hätte Griechenland den Klientelismus überwinden müssen. Stattdessen führte der Beitritt zur EWG nur zur Stärkung des Klientelismus.

Vor der Parlamentswahl im Oktober 1981 warb Andreas Papandreou damit, dass Griechenland im Falle seines Sieges aus der Nato austreten und der unmittelbar bevorstehende EWG-Beitritt rückgängig gemacht werde. Wahr machte er diese Versprechen nicht. Denn mit dem Beitritt zur EWG begannen Hilfsgelder für die Entwicklung des Landes nach Griechenland zu fließen. Die Mittel, die leicht für klientelistische Zwecke umgewidmet werden konnten, machten bis 1988 immerhin drei Prozent des griechischen Bruttoinlandsprodukts aus.

Kaum an der Macht, begann Papandreou den Klientelismus auszubauen. Bis dahin war der Klientelismus auf die griechischen Parteien beschränkt gewesen. Sie hatten den Staat zwar als Geldquelle genutzt, sich aber nicht in die eigentliche Arbeit der Verwaltung eingemischt, die deshalb trotz des Nepotismus stets einigermaßen funktionierte. Nun durchdrang die Pasok den Staat. Es wurden informelle Gremien geschaffen, die von der Partei beherrscht wurden und die Unabhängigkeit der Verwaltung unterminierten. Von nun an gab es keine technokratischen Entscheidungen mehr, sondern nur noch parteipolitische. Binnen weniger Jahre wurde der öffentliche Dienst um 82 000 Personen vergrößert, was eine Zunahme um 60 Prozent bedeutete. Außerdem wurden die Gehälter und Löhne erhöht. Das bedeutete natürlich, dass die staatlichen Ausgaben enorm wuchsen - und damit auch die Verschuldung.

Bei Papandreous Amtsantritt hatte die griechische Staatsverschuldung 30 Prozent des Bruttoinlandsproduktes betragen, 1990 war sie auf 80 Prozent des BIP gestiegen. Papandreou finanzierte seine sozialen Wohltaten vor allem mit Geld aus Brüssel und immer neuen Krediten. Zwischen 1981 und 2006 erhielt Griechenland aus dem Strukturfonds der EG beziehungsweise der EU 52 Milliarden Euro. Mit Papandreous Wirtschaftspolitik begann eine Staatsverschuldung, die über alles hinausging, was seit der Gründung des neugriechischen Staates üblich gewesen war.

Die Neigung, höhere Löhne durchzusetzen, verbreitete sich auf Papandreous Wunsch hin auch in der Wirtschaft. In den achtziger Jahren nahm das Einkommen der normalen Griechen um 26 Prozent zu. Noch Mitte der siebziger Jahre hatte es in Griechenland gut funktionierende Textilbetriebe gegeben, darunter Filialen deutscher Firmen. Diese produzierten in Griechenland billiger als in Deutschland, aber sie zahlten ihren Arbeiterinnen anständige Löhne. Als Papandreou die Gewerkschaften animierte, höhere Löhne zu fordern, führte das zur Schließung dieser Firmen. Griechische Firmen, die aufgrund der Lohnerhöhungen pleitegingen, wurden in Staatsbesitz überführt. Sie arbeiteten danach keinesfalls wirtschaftlicher, doch in ihnen konnte weiteres Personal untergebracht werden, was ihre Wirtschaftlichkeit und Wettbewerbsfähigkeit noch weiter reduzierte. All das trug zur enorm wachsenden Staatsverschuldung bei. Für die Nutznießer dieses Systems hatte es positive soziale Folgen, aber mit Sozialismus hatte Papandreous Klientelismus nichts zu tun. Er diente nur dem Machterhalt.

Weitere Themen

Topmeldungen

Donald Trump jr. im Oktober in San Antonio

Die Familie des Präsidenten : Wahlkampf mit Trump Junior

In der Familie von Präsident Donald Trump hat fast jeder seine Aufgabe. So ist Donald Trump jr. ist auf Wahlkampftour, während Schwester und Schwager direkt im Weißen Haus arbeiten. Zielgruppe sind besonders junge Leute.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.