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Griechische Schuldenkrise : Gut genährt dank Rousfetia

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Auch Giorgios Papandreous Sohn Andreas, der spätere Ministerpräsident, hatte an diesen Diskussionen teilgenommen und diesen Ideen zugestimmt. Aber bevor Beschlüsse gefasst wurden, putschte im Sommer 1974 die Junta. Diktator Dimitrios Ioannidis hatte in Zypern einen Putsch gegen Staatspräsident Makarios inszeniert, der zwar scheiterte, aber der Türkei den Vorwand für eine militärische Intervention lieferte. Als diese stattfand, stellte man in Athen fest, dass die Junta das Militär so heruntergewirtschaftet hatte, dass es nicht einsatzfähig war. Moderate Kommandeure entmachteten Ioannidis und riefen Konstantinos Karamanlis aus dem Exil zurück, damit er eine neue Regierung bilde.

Karamanlis hatte im französischen Exil erkannt, dass der Klientelismus das Krebsübel Griechenlands war. Daher verkündete er, dass er in seine neue Partei Nea Dimokratia nur Individuen, aber keine Subnetzwerke seiner alten ERE aufnehmen werde. Nach nur zwei Monaten gab er dieses Vorhaben auf. Die Nea Dimokratia wurde wieder zur Klientelpartei der Konservativen. Auf der Linken waren die guten Vorsätze ebenfalls schnell vergessen, nachdem Andreas Papandreou aus dem Exil zurückgekehrt war. Er gründete die Pasok (Panhellenische Sozialistische Bewegung).

Nach außen hin gab sich die neue Partei als sozialistisch, tatsächlich aber war sie vom ersten Moment an eine von Papandreou straff geführte Klientelpartei. Als oppositionelle Gruppen wie die ehemalige Widerstandsgruppe Dimokratiki Amyna (Demokratische Verteidigung), die gegen die Junta gekämpft hatte, dagegen protestierten, ließ Papandreou sie aus der Partei werfen. In der Führung der Pasok waren viele, die aus weniger wohlhabenden Schichten stammten, noch nie Zugriff auf die staatlichen Kassen gehabt hatten und nun Nachholbedarf verspürten.

Damit war das alte klientelistische Zweiparteiensystem rehabilitiert. Karamanlis regierte das Land bis 1981. Dabei übertrieben es die Konservativen bei der Verteilung von Rousfetia an ihre Klientel nicht. Der größte Teil der Führungselite der Nea Dimokratia stammte aus dem wohlhabenden Bürgertum, so dass viele es nicht nötig hatten, sich selbst zu bereichern. Außerdem waren die Mittel begrenzt, die zweckentfremdet werden konnten: In der Hauptsache waren es Steuereinnahmen.

Dies änderte sich, als Griechenland in die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) aufgenommen wurde. Als Ministerpräsident Karamanlis im Juli 1975 den Aufnahmeantrag stellte, wollte er den griechischen Demokratisierungsprozess absichern, die Wirtschaft voranbringen und sein Land europäisieren. Die Europäer, allen voran Frankreichs Präsident Giscard d’Estaing und Bundeskanzler Helmut Schmidt, wollten die Demokratisierung unterstützen und stimmten daher der Aufnahme zu, obwohl sie wussten, dass Griechenlands Wirtschaft nicht wettbewerbsfähig war.

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