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Griechische Schuldenkrise : Gut genährt dank Rousfetia

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Doch dieser neue Staat hätte auch sein Abhängigkeitsverhältnis gegenüber Großbritannien beendet. Churchill aber wollte die Wiederherstellung der Monarchie. Da die überwältigende Mehrheit der Griechen dies ablehnte und die Résistance strikt dagegen war, beschloss Churchill, den König unter Gewaltanwendung zurückzubringen. Um eine militärische Intervention moralisch zu rechtfertigen, beschwor er die kommunistische Gefahr herauf. Im Oktober 1944 sicherte er sie durch das „Prozentabkommen“ mit Stalin ab, im Dezember erfolgte die bewaffnete Intervention. Der nach vierwöchigen Kämpfen abgeschlossene Vertrag von Varkiza war ein fairer Kompromiss. Doch seine Bedingungen wurden von der griechischen Rechten mit stillschweigender Billigung der Briten in jeder Hinsicht verletzt. Das Resultat waren eine Wiederbelebung des klientelistischen Systems und ein Bürgerkrieg, der bis 1949 dauerte.

Als Großbritannien die Last der Schutzmacht finanziell nicht länger schultern konnte, kam es 1947 zu einer Art Translatio Imperii hin zu den Amerikanern. In den gut zwei Jahren des noch andauernden Bürgerkrieges pumpten die Vereinigten Staaten mehr als 1,5 Milliarden Dollar nach Griechenland, die das Land aber nicht im Geringsten voranbrachten. Erst 1949 begannen in Griechenland die Nachkriegszeit und der Wiederaufbau des von zwei Kriegen zerstörten Landes.

Bei den ersten Wahlen 1950 wählten die Griechen die liberalen Kräfte unter Nikolaos Plastiras. Als der Korea-Krieg ausbrach, sorgten die Amerikaner durch eine Änderung des Wahlrechtes dafür, dass die Konservativen an der Macht blieben. Unter den Ministerpräsidenten Alexandros Papagos, der während des Bürgerkriegs Oberbefehlshaber der antikommunistischen Kräfte war, und Konstantinos Karamanlis war Griechenland von 1952 bis 1963 ein Polizeistaat. Die Radikalnationale Union (ERE) von Karamanlis war die konservative klientelistische Pyramide. Giorgios Papandreous Zentrumsunion (Enosis Kentrou), in der sich liberale Kräfte zusammenfanden, war bis 1963 eine Klientelpartei im Wartezustand. Als er in jenem Jahr die Wahlen gewann, gelang es dem alternden Papandreou nicht, die Granden seiner Partei unter Kontrolle zu halten. Der König konnte Papandreou stürzen. In den folgenden Jahren bis 1967 war Griechenland in einer Dauerkrise.

Im Militär gärte es. Es gab zwei Gruppierungen, die putschen wollten, Generäle und Obristen. Während die erste vom König und von den Amerikanern kontrolliert wurde, schlugen die Obristen am 21. April 1967 zu. Die Offiziere, die zumeist aus der bäuerlichen Unterschicht stammten, lehnten zwar den Parteiklientelismus der Oligarchie ab, was sie aber nicht hinderte, sich und ihre Klientel zu bereichern. Ohne einen Offizier, der half, konnte während der Militärdiktatur kaum ein Geschäft abgeschlossen werden. Dass der Offizier beteiligt war, verstand sich von selbst.

Während der Diktatur begann unter den in Europa lebenden Exilgriechen eine intensive Diskussion darüber, wie man dieses System überwinden könnte. Bald bestand Konsens, dass man den Charakter der Parteien verändern musste, indem man Parteien europäischen Typs ins Leben rief, also Parteien mit Programmen, Kongressen, internem demokratischen Willensbildungsprozess und Wahl der Führung. Dazu sollte nach dem Verschwinden der Militärjunta eine neue sozialdemokratisch ausgerichtete Partei gegründet werden.

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