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Salafismus : Gewalttätige Gegenkultur

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Der Aufruf Vogels zu einem Totengebet für Usama Bin Ladin im Mai 2010 besiegelte das vorläufige Ende seiner Arbeit bei EZP. Doch da hatte Vogel sich mit DWR wieder ausgesöhnt. Interne Konflikte sind unter Salafisten keine Seltenheit. Insbesondere im Internet werfen sich die Anhänger verschiedener Prediger wahlweise vor, extremistisch verirrt oder ungläubig zu sein, und diskutieren, welche Moscheen und Seminare vom Unglauben verunreinigt seien.

Trotz der Querelen wuchs die Szene weiter. Heute ist es schwer, eine größere Stadt ohne salafistischen Treffpunkt zu finden. Unterstützung erhielt der Salafismus vor allem vom Golf, unter anderem durch die zahlreichen kostenlosen Publikationen saudischer Geistlicher, die zumeist von deutschen Salafisten übersetzt und dann verteilt wurden. Es floss aber auch Geld, zum Beispiel zur Errichtung der Al-Nur-Moschee in Berlin-Neukölln, aus deren Anhängerschaft ganze Freundeskreise ins afghanisch-pakistanische Grenzgebiet zum Dschihad aufgebrochen sind.

Es wäre jedoch zu einfach, die Ausbreitung des Salafismus als Ergebnis eines Propagandafeldzugs der Golf-Staaten zu betrachten. Sein Erfolg ist ebenso ein Ergebnis der Globalisierung. Der Salafismus spricht den Einzelnen unabhängig von Herkunft, Sprache oder Kultur an und bezieht sich auf kein bestimmtes Territorium. Das macht ihn attraktiv in einer Zeit, in der weltweite Migration und nie dagewesene Mobilität traditionelle Identitäten in Frage stellen. Zugleich etabliert der Salafismus eine Gegenkultur mit festen Regeln und Rollenbildern. Diese verspricht Halt in einer Welt, in der man sich im Zweifelsfall allein durchbeißen muss.

Während die meisten muslimischen Gemeinden in Deutschland nach Herkunft der Einwanderer getrennt organisiert sind, bieten salafistische Gruppen eine neue, vereinende Identität. Mehr noch - innerhalb kürzester Zeit dürfen sich die Anhänger berufen fühlen, gegen eine moralisch korrumpierte Welt zu kämpfen und der verirrten muslimischen Gemeinschaft den rechten Weg zu weisen.

Doch wie steht es um die Einheit der Salafisten? Die unterschiedlichen Standpunkte salafistischer Gruppen beruhen nicht etwa auf doktrinären Unterschieden, sondern auf der Mehrdeutigkeit von Koran und Sunna selbst. Bei aller Akribie in der Erforschung der Gebote Gottes und des Lebenswandels Mohammeds müssen Salafisten doch stets aufs Neue beurteilen, welche religiöse Vorschrift auf welches zeitgenössische Problem zutrifft. Ist die Mehrheitsgesellschaft in Deutschland zu bekämpfen, oder kann Mohammeds Friedensvertrag zwischen Muslimen und Ungläubigen als Präzedenzfall für zeitweiliges Zusammenleben gelten? Sind die Kämpfer Al Qaidas moderne Mudschahedin oder eher verirrte Radikale? Die Antwort auf Fragen wie diese hängt von der Interpretation islamischer Quellen ab und damit von etwas, was Salafisten eigentlich als unislamisch zurückweisen. In ihrem Verständnis müssen sich bei getreuer Beschäftigung mit dem Islam die Antworten auf alle Fragen ganz von selbst ergeben. Wes Herz sich Allah öffnet, der handelt auch in seinem Auftrag.

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