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Russland : Deportierte Völker

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Apologeten der Deportation in der Sowjetunion und im heutigen Russland behaupten, Tschetschenen und Inguschen hätten während des Kriegs im Hinterland der sowjetischen Front Aufstände und Anschläge unternommen. Sie hätten der Roten Armee schaden und damit den Vormarsch der Wehrmacht beschleunigen wollen, die indes nur einen kleinen Teil ihres Siedlungsgebiets besetzt hatte. Das ist eine Wiederholung der pauschalen Anschuldigungen wie „Verrat der Heimat“, die in dem Erlass des Obersten Sowjets über die Auflösung der Tschetscheno-Inguschischen Autonomen Sozialistischen Sowjetrepublik vom 7. März 1944 erhoben wurden. Immer wieder verwiesen wird in diesem Kontext auf die Tschetschenen Majrbek Scheripow und Hassan Israilow (getötet 1942 beziehungsweise 1944), die das - völlig unrealistische - Ziel einer Abspaltung des ganzen Nordkaukasus von der Sowjetunion verfolgt hatten. Es dürfte sich heute aber kaum noch wirklich feststellen lassen, wie umfassend ihr „Aufstand“ wirklich war. Sowjetische wie auch bestimmte postsowjetische russische Politiker, Historiker und Publizisten versuchen, ihn hochzustilisieren und seine Urheber und Teilnehmer als „Banditen“ und „Terroristen“ zu diffamieren - zur Rechtfertigung der Deportationen 1944. Allerdings vermuten verschiedene Historiker, dass die Deportation schon ab 1939/40 vorbereitet worden war. Zudem waren Israilow und seine Leute nicht einmal imstande, die laufende Deportation auch nur zu stören oder zu verzögern, von einer Verhinderung ganz abgesehen. Das bestätigte ein „unverdächtiger“ Zeuge, nämlich Berija persönlich, in seinem Bericht an Stalin vom 29. Februar 1944: „Die Operation verlief organisiert und ohne jede ernstzunehmenden Fälle von Widerstand oder andere Zwischenfälle.“ Es seien lediglich 2016 „antisowjetische Elemente“ unter den Tschetschenen und Inguschen verhaftet worden.

Drastisch unterschiedliche Bewertungen erfährt die Frage nach Kontakten zwischen dem antisowjetischen „Untergrund“ der Tschetschenen und Inguschen und der nahen Wehrmacht: Während sie von vielen tschetschenischen und inguschischen Stimmen für unbedeutend erklärt oder überhaupt in Abrede gestellt werden, werden sie auf russischer Seite nicht nur als erwiesen, sondern auch als bedeutsam für die operative Lage eingeschätzt. Doch betonte der 1984 verstorbene inguschische kommunistische Funktionär Abdul-Hamid Tangijew in seinen - im Internet in russischer Sprache zugänglichen - Erinnerungen, dass es während des Vorstoßes der Deutschen auf den Nordkaukasus 1942 in der Tschetscheno-Inguschischen Republik nicht einen einzigen politisch motivierten Anschlag oder Akt der Diversion gegeben habe; der gesamte Verkehr, das Fernmeldewesen, Medien, Elektrizitäts- und Wasserversorgung sowie andere Infrastruktur hätten völlig unbeeinträchtigt funktioniert.

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