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Europäische Union : Europas Werte, Europas Wirtschaft

  • -Aktualisiert am

Bild: picture alliance / Stefan Matzke

Europa ist noch immer für viele Menschen in aller Welt ein Vorbild: Es steht für Freiheit, Recht, Wohlstand und Kultur. Aber das relative Gewicht unseres Kontinents in der Welt schwindet. Wenn Europa seine führende Rolle behalten soll, muss die europäische Einigung vorangehen.

          10 Min.

          Krise ist ein Begriff, den wir von den alten Griechen kennen. Er bedeutet so viel wie Zuspitzung, eine Entscheidungssituation, die einen Wendepunkt markiert. Wieder einmal steht Europa an einer Wegscheide. Aber wieder einmal können wir selbst entscheiden und gestalten, wie es weitergeht.

          Jugendarbeitslosigkeit, Staatsschulden und - vor allem im Süden - wachsende Armut sind nur drei der schlimmsten Probleme, die wir lösen müssen. Aber die Geschichte der europäischen Integration war schon immer eine Geschichte von Versuch und Irrtum, von Erfolgen und Rückschlägen. Auch die jetzige Krise, da bin ich mir sicher, werden wir bewältigen. Denn langfristig gesehen ist Europa, und vor allem auch seine wachsende Einheit, eine Erfolgsgeschichte, um die uns die Welt beneidet.

          Lassen Sie uns darüber nachdenken,

          warum wir stolz sein dürfen auf Europa. Lassen Sie uns darüber sprechen, was die Welt Europa verdankt: Es sind europäische Kultur und Zivilisation, die auch heute noch die Welt prägen und ihr immer wieder Vorbilder sind.

          Es gab und gibt natürlich viele Kulturen auf dieser Welt. Aber fast alle sind nach

          ihrer Blütezeit wieder versunken. Nur in zwei Regionen haben sich nachhaltige Hochkulturen entwickelt: in China und im Mittelmeerraum mit Europa.

          Die Hochkultur China hat sich vor rund einem halben Jahrtausend aus dem Weltgeschehen verabschiedet, obwohl sie uns schon vor drei Jahrtausenden vielfach weit voraus war: Im Regierungs-, Verwaltungs- und Ordnungssystem etwa und auch technologisch: Papier und Buchdruck, Schubkarre und Schießpulver, Porzellan und Magnetkompass waren in China weit früher im Gebrauch als bei uns. Der schottische Historiker Niall Ferguson hat vor einigen Jahren die Frage gestellt: „Wo hätte im Jahre 1411 das Weltwirtschaftsforum stattgefunden?“ Seine Antwort: in Nanjing, China. Das Reich der Mitte als Mittelpunkt der Welt.

          Ende des 14. Jahrhunderts pflanzten die Chinesen in der Gegend von Nanjing 50 Millionen Bäume, um eine Hochseeflotte zu bauen. Ihre kaiserlichen Handelsschiffe fuhren bis nach Ostafrika - früher als die der Portugiesen. Riesige neunmastige Hochseedschunken gehörten dazu, bis zu 30 000 Mann umfasste diese Flotte. Erst ein knappes Jahrhundert später entdeckte Kolumbus mit gerade drei Karavellen und einer Besatzung von 90 Mann Amerika.

          Zu dieser Zeit hatten die Herrscher Chinas schon das Interesse an der Seefahrt und am Einfluss auf die übrige Welt verloren. Sie zerstörten Anfang des 16. Jahrhunderts ihre Flotte, stellten den Bau großer Segler unter Strafe - und wandten sich radikal nach innen. China war sich selbst genug, isolierte sich - politisch, wirtschaftlich und kulturell - und verlor Einfluss auf die übrige Welt. Es waren Europäer - Portugiesen, Holländer und Briten zuerst -, die China Jahrhunderte später zwangen, seine Mauern zu öffnen.

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