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Reformationsjubiläum 2017 : Lebendiges Licht

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Solche theologischen Gedanken der Reformation, die tief von antiken Theologen geprägt sind und daher ganz gewiss nicht trennend zwischen den großen Konfessionen stehen, am Beginn des einundzwanzigsten Jahrhunderts so zu entfalten, dass sie beispielsweise von den vielen Menschen in Wittenberg gehört und verstanden werden können, die sich nicht zum Christentum bekennen, ist nicht eben einfach. Das sollte man bedenken, bevor man sich darüber beschwert, dass nicht immer alle Dimensionen der reformatorischen Rede von Christus in Texten zum gemeinsamen Christusfest präsent waren – oder darüber räsoniert, dass nicht jeder und jede erreicht wurde von den Botschaften.

Bekanntlich gehört es auch zu den Grundüberzeugungen reformatorischer Theologie, dass die Wirkung menschlicher Predigt Werk des Heiligen Geistes und nicht menschlicher Arbeit allein ist. Außerdem kann nahezu jeder, der sich etwas gründlicher in Wittenberg oder anderen Orten Mitteldeutschlands umgesehen hat, davon berichten, wie beeindruckt dem Christentum eher Fernstehende davon waren, etwas begriffen zu haben von Anliegen der Reformation.

Unbedingt erwähnt werden muss ein Aspekt des Jubiläums, über den kein Dissens besteht bei allen unterschiedlichen Wertungen dessen, was gelungen und was misslungen war: Dank einer großzügigen Förderung des Bundes und der Länder, vor allem aber der Staatsministerin für Kultur und Medien, sind vor allem in den östlichen Bundesländern viele bedeutende Gebäude durchgreifend renoviert oder restauriert worden. Der bereits mehrfach erwähnte Altar in der Wittenberger Stadtkirche bildet nun den Mittelpunkt eines durch ein neues Beleuchtungssystem in warme Farben getauchten gotischen Kirchenraums. In der Schlosskirche hat man sich dazu bekannt, einen neugotischen Kirchenraum der wilhelminischen Zeit wieder als Kunstwerk und Traditionszeugnis ernst zu nehmen. Ein von der dänischen Königin entworfenes und teilweise selbstgestaltetes Altartuch zeigt, dass Reformation nicht nur ein deutsches Ereignis war und in den vergangenen Monaten in ihren internationalen Kontexten bedacht und gefeiert wurde. Direkt neben der Schlosskirche wurde das durch einen Umbau zur preußischen Kaserne geschundene Renaissanceschloss der Kurfürsten zwar nicht in seiner Urgestalt rekonstruiert wie in Dresden oder Torgau, aber behutsam mit architektonischen Mitteln des einundzwanzigsten Jahrhunderts ergänzt und zu einem bemerkenswerten Ensemble aus Alt und Neu fortgebaut.

Von den vielen Ausstellungen war schon die Rede, die aber nicht nur historische Bezüge zum Thema hatten. In den Zellen eines Gefängnisses, das sich an das Wittenberger Amtsgericht anschließt, gelang Kuratoren eine überaus eindrückliche zeitgenössische Kunstausstellung – während an der diesjährigen Documenta in Kassel viel Kritik geübt wurde, reagierten hier viele Besuchende sehr begeistert.

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