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Putins Geschichtspolitik : Die Verteidigung im Westen stärken

  • -Aktualisiert am

„Genug Putin für mich“: Nach der Verfassungsänderung im Jahr 2020, dank der Russlands Präsident Putin theoretisch noch bis zum Jahr 2036 an der Macht bleiben kann, wird das Denkmal von Fürst Wladimir in Moskau zur Protestkulisse. Bild: dpa

Imperium, Helden und Siege – seit Putins Amtsantritt wurde in Russland patriotisch-kriegerisch aufgerüstet. Staat und Kirche arbeiten zusammen an einer manipulativen Geschichtspolitik. Ein Gastbeitrag.

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          Wer in den vergangenen zehn Jahren Russland besucht hat, konnte gewisse Veränderungen feststellen, die vor dem Hintergrund des Krieges gegen die Ukraine rückblickend eine neue Betrachtung verdienen. Der öffentliche Raum und der Umgang mit der eigenen Vergangenheit wurden in auffallender Weise patriotisch-kriegerisch aufgeladen. Russland hat geistig aufgerüstet.

          Sicherlich – die Erinnerung an die Zeit des „Großen Vaterländischen Kriegs“ von 1941 bis 1945 war schon in der Ära von Staats- und Parteichef Leonid Breschnew (1964 –1982) eine feste Größe im Jahresablauf und im öffentlichen Raum, und sie hatte auch in den 1990er-Jahren durchgehend eine hohe Bedeutung. Immerhin wurde 1995 der Siegespark in Moskau eröffnet, und im selben Jahr wurde anlässlich der Feiern zum 50. Jahrestag des Sieges über Deutschland auch das Reiterdenkmal für Marschall Schukow auf dem Manegeplatz enthüllt.

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