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Pro und Kontra Sterbehilfe : Ein logischer Dammbruch

  • -Aktualisiert am

Bild: Jan-David Grommas

Die von evangelischen Theologen geforderte Professionalisierung der Suizidhilfe erschafft erst genau die Normalität, die sie zu vermeiden beabsichtigt. Ein Gastbeitrag.

          10 Min.

          Das Urteil des Bundesverfassungsgerichtes vom Februar des vergangenen Jahres, in dem das Verbot geschäftsmäßiger Suizidhilfe für nichtig erklärt wurde, fordert Gesellschaft und Politik heraus. Drei evangelische Theologen haben in einem Positionspapier vorgeschlagen, jetzt die Hilfe zum Suizid als Teil seelsorgerlicher Praxis zu professionalisieren. Ihre Ausführungen verlangen nach einer einer Debatte, denn sie übersehen wesentliche, ethisch bedeutsame Unterscheidungen. Die betreffen die Beurteilung des Suizids als solchem, der Assistenz beim Suizid und auch die Beurteilung medizinischer Handlungen am Lebensende. Zudem wird die nicht mehr kleinzuredende Evidenz der Erfahrungen aus Regionen der Welt mit liberalisierten Regelungen nicht wahrgenommen oder verdrängt.

          Der Schwerpunkt des Karlsruher Urteils liegt in der Betonung des Rechtes auf Selbstbestimmung. Auf die rhetorische Überhöhung der Autonomie wurde schon von vielen hingewiesen. So ist im Urteil die Rede von „autonomer Selbstbestimmung“ – als gäbe es eine nicht-autonome Variante derselben. Auch die Theologen erkennen im Urteil „Anklän­ge einer hero­isch-exis­ten­tia­lis­ti­schen Verklä­rung der Selbst­be­stim­mung“. Sie interpretieren das Urteil zudem so, dass sich aus der Nichtigkeitserklärung des Verbotes geschäftsmäßiger Suizidhilfe keine Pflicht des Staates zur Sicherstellung der Suizidhilfe ableiten lasse. Diese Sicht wird durchaus nicht von allen Rechtsgelehrten geteilt, wie das Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes zur Abgabepflicht todbringender Medikamente durch das Bundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) aus dem Jahr 2017 belegt. Einige Abgeordnete des Bundestages wollen eine Bereitstellung tödlicher Medikamente durch das Bundesamt gewährleisten, mithin die Suizidhilfe staatlicherseits garantieren.

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