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Sicherheitspolitik : Das Prinzip Abschreckung

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Russische Kampfflugzeuge über dem Roten Platz während der Siegesparade am 9. Mai 2010. Bild: dpa

Die russische Aggression in Osteuropa, aber auch die drohende Nuklearisierung des Nahen Ostens lassen dem Westen keine Wahl. Es ist höchste Zeit, die Lektionen der Vergangenheit zu lernen. Nur sollten es die richtigen sein.

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          War da was? Vor kurzem noch galten Theorie und Praxis der Abschreckung als Relikt des Kalten Krieges. Unter dem Eindruck der Ukraine-Krise ist das Prinzip Abschreckung binnen weniger Monate brennend aktuell geworden. Man müsse sich endlich wieder auf die Abschreckung besinnen, heißt es allenthalben. Manchen dient diese Rückbesinnung als Alibi, um sich künftig wieder aus ungeliebten Auslandseinsätzen heraushalten zu können. Den meisten geht es um mehr. Also versuchen sich kundige und weniger kundige Beobachter an dem Begriff der Abschreckung, der so einfach und klar erscheint, es aber nicht ist. Die Debatte der vergangenen Monate über die Frage, wie man Moskau hätte abschrecken können oder sollen, zeigt jedenfalls, dass in dem Vierteljahrhundert seit dem Ende des Ost-West-Konflikts vieles verlorengegangen ist, was einst als Allgemeinwissen galt. Was also ist Abschreckung? Wann funktioniert sie - und wann nicht?

          Abschreckung ist die Androhung von Gewalt, um einen Gegner von einem unerwünschten Tun abzuhalten. Dies kann durch Bestrafung erreicht werden (deterrence by punishment) oder dadurch, dass man dem Gegner das Erreichen seiner militärischen und politischen Ziele verwehrt (deterrence by denial). Aus dieser einfachen Definition wird häufig geschlossen, es genüge, einfach militärische Macht zur Schau zu stellen, um einen Abschreckungseffekt zu erzielen. Sofern beide Seiten „rational“ dächten, das heißt im Sinne eines wirtschaftlichen Kosten-Nutzen-Kalküls, hielten sich die Militärpotentiale gegenseitig in Schach.

          So einfach ist die Sache nicht. Die Geschichte ist voller Beispiele, bei denen diese Gleichung nicht aufging und sogar ein militärisch deutlich unterlegener Gegner den Stärkeren angriff. Abschreckung funktionierte nicht, wie vom Stärkeren erhofft. Die Gründe hierfür sind vielfältig. In manchen F“ällen setzte der Angreifer das Überraschungsmoment ein: So war sich das imperiale Japan im Jahr 1941 seiner militärischen Unterlegenheit gegenüber den Vereinigten Staaten bewusst. Die Aussicht, durch einen Überraschungsangriff auf den Marinestützpunkt Pearl Harbor einen Teil der amerikanischen Pazifikflotte zu vernichten und Washington damit in eine Art Schockstarre zu versetzen, schien den Japanern den Versuch wert.

          Syrien und Ägypten griffen im Jahr 1973 das militärisch weit überlegenere (und vermutlich nuklear bewaffnete) Israel an - auch hier ging es nicht um einen von Anfang an unwahrscheinlichen militärischen Sieg, sondern um Rache für frühere militärische Demütigungen. Beide Staaten hofften, mit einem militärischen Remis die Schmach wiedergutzumachen, die seit der Niederlage im Sechs-Tage-Krieg des Jahres 1967 auf ihnen lastete. Für Israel, dessen politische und militärische Führung sich nicht hatte vorstellen können, dass sich Syrien und Ägypten auf ein aussichtsloses Unterfangen einlassen würden, hätte der Yom-Kippur-Krieg beinahe das Ende bedeutet. Man war sich der eigenen Abschreckungsfähigkeiten allzu sicher und glaubte, alle Hinweise auf einen drohenden Angriff missachten zu können.

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