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DDR-Sportler bei Olympia 1972 : Im Land des Klassenfeindes

  • -Aktualisiert am

„. . . nicht Aufgabe der Leistungssportler, den Klassenkampf mit Diskussionen zu führen“: Einzug der DDR-Athleten in München Bild: Picture Alliance

Die DDR wollte bei den Olympischen Spielen 1972 die Überlegenheit des Sozialismus beweisen. Westdeutschland sollte „auf eigenem Boden“ geschlagen werden. Die DDR-Funktionäre überließen dafür nichts dem Zufall. Ein Gastbeitrag.

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          Seit den Olympischen Sommerspielen 1956 in Melbourne kon­kurrierten die ost- und westdeutschen Sportverbände in Ausscheidungswettbewerben um die Hegemonie in der gesamtdeutschen Olympiaauswahl. Der Deutsche Turn- und Sportbund (DTSB) der DDR nahm sich 1962 vor, „zu den Olym­pischen Spielen 1964 die leistungsmäßige Überlegenheit gegenüber Westdeutschland zu erringen“. Bei den deutsch-deutschen Ausscheidungswettkämpfen im Berliner Olympiastadion und auf dem Ernst-Abbe-Sportfeld in Jena qualifizierten sich dann erstmals mehr ost- als westdeutsche Sportler zu den Spielen in Japan, nämlich 194 aus der DDR und 182 aus der Bundesrepublik. Die DDR-Sportler verfehlten allerdings in Tokio das ihnen vorgegebene Ziel, „die leistungsmäßige Überlegenheit zu er­ringen“. Sie erkämpften drei Goldmedaillen, die Westdeutschen sieben.

          Das sollte 1968 bei den Olympischen Spielen in Mexiko anders werden. Das In­ternationale Olympische Komitee (IOC) nahm am 8. Oktober 1965 in Madrid das NOK der DDR unter der Bezeichnung „Ost­deutsches NOK“ als neues Mitglied auf. Die ost- und westdeutschen Mannschaften marschierten am 12. Oktober 1968 zur Eröffnungsfeier in Mexiko-Stadt erstmals getrennt ein, die Westdeutschen als Germany, die Ostdeutschen als East Germany unter der Länderkennung ADE (Allemagne de l’Est). Beide Mannschaften traten unter schwarz-rot-goldener Flagge mit Olympischen Ringen an, bei den Zeremonien für ost- und westdeutsche Goldmedaillengewinner erklang Beethovens „Freude schöner Götterfunken“. DDR-Sportler erreichten mit neun Goldmedaillen den fünften Platz der Nationenwertung und überholten die Bundesrepublik, deren Aktive mit fünf Goldmedaillen den achten Platz belegten.

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