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Nordkorea : Die Lehrjahre des jungen Diktators

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Grundlegende Ideologie ist jetzt vielmehr der „Kim Il-sungismus/Kim Jong-ilismus“, in dem die Juche-Lehre als Pseudoreligion kanonisch verdichtet wird und einen eigenen koreanischen Weg zum Sozialismus begründet: völlige wirtschaftliche und militärische Autarkie (die unverzichtbare chinesische Hilfe bleibt unerwähnt) mit eigenem Atompotential und kompromisslose Gegnerschaft zu Südkorea, den Vereinigten Staaten und Japan bei gleichzeitiger Beschwörung des Weltfriedens. Die mediale Vergöttlichung Kim Il-sungs und Kim Jong-ils wurde weiter verstärkt, um die ideologische Salbung des „dritten Kim“ voranzutreiben. Die Propaganda der vergangenen Jahrzehnte hat die Juche-Grundsätze so tief im Volk und vor allem in den Eliten verankert, dass auch die geringste Abweichung von der Lehre den Führungsverlust der Kim-Familie zur Folge hätte - die Armee würde putschen.

Es gibt neuerdings Anzeichen von politischen Reibungen zwischen Jang und seiner Frau Kim Kyong-hui: Jang bevorzugt das chinesische Entwicklungsmodell, während Kim Kyong-hui auf „reine Lehre“ und Konfrontation zu setzen scheint. Die gegenwärtigen nordkoreanischen Drohgebärden sind möglicherweise von Kim Kyong-hui abgesegnet. Sie hatte sich zuvor auch für weitere Tests von Mittelstreckenraketen eingesetzt.

Drei Hauptziele verfolgen Kims Mentoren: Aufbau eines überzeugenden Images als Militärführer für ihren Schützling, Ausbau von Landwirtschaft und Leichtindustrie und wirtschaftliche Entwicklung unter Nutzung der Atomenergie und - nicht zuletzt - Erpressung weiterer Auslandshilfe. Beide aber sind zweifellos von dem chinesischen Grundsatz überzeugt: Was auch immer nötig ist, um Akzeptanz und Unterstützung der höheren und mittleren Kommandoebene in der Armee zu gewinnen, also jener Offiziere, die Truppenteile operativ führen - „die Partei kommandiert die Gewehre“. Über allen Maßnahmen schwebt langfristig die Sorge der nordkoreanischen Führung, dass durch eine „überstürzte“ Liberalisierung und wirtschaftliche Entwicklung nach dem chinesischen Modell analog zu den europäischen Ereignissen und besonders in Deutschland nicht der „Wandel“, sondern der „Untergang durch Annäherung“ stehen könnte. Die Bewahrung des Status quo auf der koreanischen Halbinsel ist für die nordkoreanische Führung zu einer Überlebensfrage geworden.

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