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Nordkorea : Die Lehrjahre des jungen Diktators

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Jang Song-taek und Kim Kyong-hui verbindet offenbar eine tiefe Zuneigung. Die Beziehung wurde von Vater Kim Il-sung heftig abgelehnt, überstand aber alle Trennungsversuche. Beide bekleiden heute in Partei und Militär in etwa gleichrangige Positionen, wobei die Beförderung Frau Kim Kyong-huis zum Vier-Sterne-General (Marschall) ohne militärischen Hintergrund besonders bemerkenswert ist. Auch Jang Song-taek wurde um die Zeit des Ablebens von Kim Jong-il zum Vier-Sterne-General befördert; bei den Trauerfeierlichkeiten zeigte er sich erstmals in voller Uniform. 2010 wurde Jang stellvertretender Vorsitzender der „Nationalen Verteidigungskommission“ (Vorsitzender damals: Kim Jong-il, heute: Kim Jong-un), unter dem Partei- und Staatschef das zweithöchste Entscheidungsgremium des Landes.

Indizien für ein Bestreben Kim Jong-uns und seiner beiden Mentoren, den jungen Diktator aus dem Schatten seines Vaters und Großvaters zu lösen und zu einer charismatischen Führerfigur aufzubauen, wurden im Januar 2013 erkennbar, als offenbar ein weiterer Machtkampf zwischen der Familie Kim und einflussreichen Vertretern der Sicherheitsorgane zum Sturz des stellvertretenden Chefs des Nachrichtendienstes Ryu Kyong führte. Dieser galt als enger Vertrauter des verstorbenen Kim Jong-il und war damit potentieller Konkurrent Kim Jong-uns; südkoreanische Beobachter vermuten, dass er exekutiert wurde. Offizieller Grund für sein Verschwinden war der Vorwurf, Ryu Kyong sei Doppelagent für Japan gewesen.

Der angebliche Spion war erst im September 2012 zusammen mit Kim Jong-un befördert worden: Kim Jong-un wurde Vier-Sterne-General (Marschall), Ryu Kyong stieg vom Generalleutnant zum Generaloberst und nichtständigen Mitglied des ZK der Partei auf. Sein Einfluss war angeblich größer als der des nominellen Chefs des Nachrichtendienstes, U Dong-chuk. Während einer kurzen Zeit im Spionageapparat musste der heutige Jungdiktator erfahren, wie groß dieser Einfluss wirklich war: Ryu Kyong konnte Kim Jong-un unter Berufung auf dessen Vater von Entscheidungsprozessen im Staatssicherheitsdienst ausschließen.

Jang Song-taek nutzte als politischer Chef der Sicherheit und Minister für Öffentliche Sicherheit die ersten Wochen Kim Jong-uns im Amt, um Ryu Kyong und seine Gruppe im Sicherheits- und Nachrichtendienst auszuschalten. Hier wurde mit der Beförderung von Personen, die in ihren zwanziger und dreißiger Jahren stehen, auch die mittelfristige Strategie Jangs erkennbar, Gefolgsleute Kim Jong-ils zu neutralisieren und durch junge Sicherheitsfunktionäre mit frischer Loyalität zu Kim Jong-un zu ersetzen. Die Säuberungen erreichten auch die reguläre Armee. Der stellvertretende Minister für das Heer wurde wegen „Unehrerbietigkeit“ während der Trauerzeit für Kim Jong-il 2011 exekutiert, auch Generalstabschef Ri Yong-ho verlor alle Parteiposten. Chinesische Quellen berichten, Ri stehe seit 2012 unter Hausarrest.

Während Nordkorea nach dem Tod Kim Il-sungs von 1994 bis 1997 außenpolitisch in eine selbstgewählte Trauer-Isolation fiel, ließ das Führungstrio 2011 nach dem Tod Kim Jong-ils keine Zeit verstreichen, in der sich Gegner des Jungdiktators hätten formieren können: Innere Säuberungen einerseits, Beschwörung des „Kim-Erbes“ andererseits waren die Instrumente. Schon in den ersten Monaten seiner Amtszeit folgte Kim Jong-un wohl auf Anraten seiner Mentoren strikt den Grundsätzen der Juche-Lehre, wie sie von Kim Il-sung und Kim Jong-il entwickelt worden war und in die Verfassung Nordkoreas Eingang fand: Ihre jüngste Version von 2009 enthält das Wort „Kommunismus“ nicht mehr.

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