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Nordkorea : Die Lehrjahre des jungen Diktators

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Pak ist Fachmann für die Leichtindustrie und arbeitete unter Kim Kyong-hui, als sie im Lauf ihrer Karriere die Partei-Abteilung für Leichtindustrie leitete. Die begrenzte Zulassung von privaten Bauernmärkten seit Beginn des Jahrtausends und eine streng begrenzte Autonomie für Staatsbetriebe ging auf seine Initiative zurück. Als deutlich wurde, dass die Märkte nicht nur privat erzeugte Agrarprodukte anboten, sondern auch geschmuggelte chinesische Waren, geriet das System vor allem bei den militärischen Hardlinern in die Kritik. Mit den Waren aus China kamen auch „gefährliche“ Ideen ins Land - das bedeutete das Ende der vorsichtigen wirtschaftlichen Liberalisierung. Jetzt darf Pak einen neuen Versuch starten, der im Hintergrund der propagandistischen Bühne mit ihren rituellen Darstellungen militärischer Macht und übertönt von den schrillen Tönen des Jungdiktators wohl längst begonnen hat.

Der Onkel Kim Jong-uns, Jang Song-taek, gilt als „Pekings Mann in Pjöngjang“. Als Berater des jungen Diktators kann er sehr gut die chinesische Position in der jetzigen aufgeheizten Situation einschätzen: Die neue Führung Chinas unter Xi Jinping befindet sich noch immer in einer Konsolidierungsphase und sucht nach Selbstvergewisserung als regionale, vielleicht pazifische Führungsmacht im Wettbewerb mit den Vereinigten Staaten. Peking hatte auch in Nordkorea auf ein Entwicklungsmodell nach chinesischem Vorbild unter Deng Xiaoping gesetzt, jetzt zeigt sich in der Führung der chinesischen Kommunisten deutliche Verärgerung über Nordkorea. Allerdings wird im Ausland häufig der Gestaltungsspielraum Chinas überschätzt.

Hier käme Jang Song-taek ins Spiel: Seit 2009 zeigte er sich bei Reisen des „mittleren Kim“ häufig an dessen Seite. Protokollarisch erwies China Jang Song-taek außergewöhnliche Ehren: 2012 bei einem China-Besuch wurde Jang mit dem gleichen Protokoll empfangen wie zuvor Kim Jong-il. Er traf die gesamte chinesische Führung, wobei wirtschaftliche Fragen im Mittelpunkt der Gespräche standen (Außenhandel, Weiterentwicklung von Wirtschaftssonderzonen). Der Nachbar im Norden versucht wahrscheinlich, die Stärkung der Partei zu unterstützen, indem immer häufiger die außenpolitischen Beziehungen zu Nordkorea über Kontakte zwischen den kommunistischen Parteien beider Länder laufen. Jang hat in der Entscheidung für weitere Atomtests eine auffallend zurückhaltende Position eingenommen: Die chinesische Führung ist gegen solche Tests. Jang hält durch seine Distanzierung die Kontakte zur chinesischen Führung offen - sicher auch im eigenen Interesse.

Südkoreanische Beobachter werten die Rolle Jang Song-taeks als „Macht hinter dem Thron“, dessen Hauptziel auch die Zerschlagung von innerparteilichen Machtstrukturen in der Partei ist, die von Kim Jong-il aufgebaut worden waren. Sicher ist, dass eine ganze Reihe prominenter Gegner des jetzigen Führungstrios 2012 aus Krankheitsgründen ihre Posten verloren oder sogar „unerwartet verstarben“. Dass Jang als „graue Eminenz“ längerfristig eigene Machtansprüche erheben könnte, ist eher unwahrscheinlich: Er ist „angeheiratet“, jeder Herrschaftsanspruch in der Dynastie ist mit direkter Abstammung von der „Kim-Linie“ begründet. Jang kann nur so lange eine Machtposition beanspruchen, wie seine Frau lebt.

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