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Vor 70 Jahren : 70 Jahre Nato: Das Ende der „Großen Illusion“

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Ein System der kollektiven Sicherheit, wie er es nach dem Ersten Weltkrieg propagiert hatte, blieb für Angell noch immer die beste Option. Doch so wie Deutschland in den 30er Jahren nicht in ein solches System integriert werden konnte, war es auch in den späten 40er Jahren unmöglich, die Sowjetunion in ein solches Arrangement einzubinden. So erfreut sich Angell daher auch über die Gründung der Vereinten Nationen zeigte, so bewusst war er sich auch der engen Grenzen dieser Institution. Gemeinsame Sicherheit, so der ehemals prominenteste britische Friedensaktivist, war nur zwischen gleichgesinnten Nationen zu organisieren.

Die neue transatlantische Verteidigungsgemeinschaft, die sich im Washingtoner Vertrag vom April 1949 niederschlug und aus der bald darauf die Nato erwuchs, kam deshalb seinen Vorstellungen eines Systems der Friedenssicherung näher als alle anderen Modelle. Anders als manche seiner pazifistischen Verehrer verstand Angell auch die Logik nuklearer Abschreckung als Instrument zur Kriegsverhinderung. Denn die nukleare Revolution bedeute, dass „die Freuden des kriegerischen Nationalismus“ plötzlich „selbstmörderisch“ geworden seien. Entsprechend hart ging er mit der britischen „Campaign for Nuclear Disarmament“ ins Gericht, weil sie die Furcht vor dem atomaren Weltuntergang letztlich zugunsten einer für Angell inakzeptablen Politik der „wohlwollenden Neutralität“ gegenüber der Sowjetunion instrumentalisieren wolle.

Es gehört zu der Tragik Norman Angells, dass er heute zwar als einer der ersten Theoretiker der modernen internationalen Beziehungen gilt, sein Name aber bis heute vielerorts mit einer Behauptung verbunden wird, die er nie aufgestellt hatte: dass der Krieg durch die wirtschaftliche Verflechtung der Nationen „unmöglich“ geworden sei. Angell hatte lediglich argumentiert, dass traditionelle Eroberungskriege aufgrund ihrer immensen Kosten wirtschaftlich ruinös und damit sinnlos geworden seien. Doch trotz seines Ruhms und seines übermenschlichen Arbeitspensums scheiterte er letztlich mit dem Versuch, gegen eine in seiner Sicht irrationale Politik und eine ebenso irrationale öffentliche Meinung anzuschreiben. Angells Unterstützung einer Verteidigungsgemeinschaft der westlichen Demokratien nach dem Zweiten Weltkrieg war daher auch ein Eingeständnis, dass es zur Sicherung des Friedens mehr bedarf als eines bloßen Appells an die menschliche Vernunft.

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