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Demographie : Auf Kosten der künftigen Generationen?

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Bild: AP

Der demographische Wandel ist keine Floskel. Die Alterung der Bevölkerung wirkt sich auf viele Bereiche von Gesellschaft und Staat aus. Das ist jedoch kein Grund zu verzagen. Denn wer stets nur negative Szenarien darstellt, der gestaltet nicht die Zukunft. Ergreifen wir die Chancen.

          Demographischer Wandel – ein Begriff, der jedem vertraut vorkommt und doch schwer zu fassen ist. Im Kern geht es um die Alterung der meisten westlichen Gesellschaften, die durch geringe Geburtenraten und einen Anstieg der Lebenserwartung verstärkt wurde. In den vergangenen Jahrzehnten diente der Begriff jedoch nicht nur als Metapher für demographische Entwicklungen, sondern auch für scheinbar verfehlte Politik, hierzulande insbesondere hinsichtlich der Abwanderung aus dem ländlichen Raum.

          Allerdings hat sich die Diskussion über die Entwicklung der Bevölkerung und die daraus resultierenden Szenarien verändert. Vor mehr als zehn Jahren beherrschten Untergangsprognosen die Diskussion. Grund war der absehbare Bevölkerungsrückgang infolge geringer Geburtenzahlen. Man wählte drastische Bilder des Aussterbens. Ein Jahrzehnt später gelten die Vorhersagen als überholt, Deutschland werde sich auch demographisch abschaffen. Steigende Geburtenzahlen und Bevölkerungswachstum sollen belegen, dass es sich um unbegründete Panik handelt und Deutschland vor keinerlei demographischen Problemen steht.

          Doch so einfach macht es uns die Demographie nicht. So übertrieben frühere Kassandrarufe waren, so falsch sind die derzeitigen Jubelmeldungen. Richtig daran ist, dass Politiker oftmals den Fehler gemacht haben, sich auf den so vertraut klingenden Begriff des demographischen Wandels zurückzuziehen, anstatt die komplexen Zusammenhänge von Strukturpolitik und Bevölkerungsentwicklungen zu erklären. Das hat dazu geführt, dass kaum jemand diesen anscheinend vertrauten Begriff mit Inhalt füllen kann und er mittlerweile jede Erklärungskraft verloren hat.

          Der Koalitionsvertrag von Union und SPD hat dieses Thema aufgegriffen und auf vielen Feldern Abhilfe versprochen, etwa bei der Sicherung von Fachkräften und der Entwicklung des ländlichen Raums. Im Bereich der Sozialsysteme und insbesondere der gesetzlichen Rentenversicherung musste ein Kompromiss gefunden werden, dem aus demographischer Sicht vehement zu widersprechen ist. Dies gilt insbesondere für die jüngsten Forderungen der SPD zur Rente. Die Festschreibung der sogenannten doppelten Haltelinien – Rentenniveau und Beitragssatz – sowie die Einrichtung einer Rentenkommission unter diesen Prämissen greifen das Rentensystem in seinen Grundfesten an und stellen dessen mittel- und langfristige Stabilität aus demographischer Sicht in Frage.

          Bei all den Diskussionen der vergangenen Jahre scheint das Gespür für entscheidende Fragen verlorengegangen zu sein. Denn von allen politischen und gesellschaftlichen Interpretationen losgelöst existieren unumstößliche demographische Fakten.

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