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Medizin : Ebola - Wie berechtigt ist die Angst?

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Proteine, die auf dem Blatt einer Tabakpflanze unter ultraviolettem Licht leuchten, sollen zur Herstellung eines Mittel beitragen, das gegen Ebola eingesetzt werden kann. Bild: Getty Images

Die Ausbreitung des Ebola-Virus findet große Aufmerksamkeit. Andere Viruserkrankungen, denen weit mehr Patienten zum Opfer fallen, aber nicht. Das liegt auch daran, dass Infektionskrankheiten für ausgerottet erklärt wurden. Das war ein folgenschwerer Fehler.

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          Derzeit erleben wir in Westafrika unter großer Anteilnahme der Weltöffentlichkeit den bisher größten, noch immer unkontrollierten Ausbruch von Infektionen mit dem Ebola-Virus. Vielleicht tragen tief im kollektiven Unterbewusstsein der Menschheit verwurzelte Reminiszenzen an die furchtbaren Seuchen vergangener Jahrhunderte wie Pest, Cholera und Pocken oder einfach auch nur Kinofilme dazu bei, dass derartige Ausbrüche große Ängste auslösen. Noch 1900 starben in den Vereinigten Staaten von Amerika mehr als 800 von 100 000 Einwohnern an einer Infektionskrankheit. Gesundheitspolitische Maßnahmen, die Entwicklung von Impfstoffen und Antibiotika haben sechzig Jahre später zu einem Rückgang auf weniger als 100 Infektionstoten pro 100 000 Einwohnern geführt. Geblendet durch diese Erfolge, traf der „Surgeon General“ der Vereinigten Staaten, Jesse Steinfeld, im Jahr 1972 die fatale Aussage: „Das Buch der Infektionskrankheiten kann endgültig geschlossen werden.“

          Pharmaindustrie, Wissenschaft und Gesundheitspolitik konzentrierten sich in den Jahren danach auf die chronischen, nichtübertragbaren Erkrankungen. Defizite im Bereich der Infektions- und Sepsisforschung, ein Mangel an Infektiologen und Hygieneärzten in vielen Ländern (einschließlich Deutschlands) und eine „leere Pipeline“ für effektive Antibiotika sind nur einige der zu beklagenden Folgen dieses Einschnitts in den siebziger Jahren.

          Seit der Erstbeschreibung von Erkrankungen mit dem Ebola-Virus 1976 sind bei über zwanzig Ausbrüchen etwa 1600 Menschen verstorben; nach dem aktuellen Ausbruch sind schon mehr als 1200 Menschen gestorben. Gemessen an den mehr als 300 Millionen Todesfällen, die in den letzten 30 Jahren durch andere Infektionskrankheiten zu beklagen sind, erscheint diese Anzahl noch äußerst gering. Während zu Recht die Aufmerksamkeit für derartige Epidemien groß ist, werden endemische, weltweit alltäglich auftretende Infektionserkrankungen unterschätzt und von der Allgemeinheit kaum registriert. So findet zum Beispiel die erschreckende Tatsache, dass sich die Fallzahlen des durch das Dengue-Virus ausgelösten Dengue-Fiebers von 1960 bis 2010 auf jährlich etwa 390 Millionen Fälle verdreißigfacht haben, wenig Aufmerksamkeit.

          Lebensgefährliche Infektionen sind nicht nur ein Problem ressourcenarmer Länder. Das amerikanische „Center for Disease Control and Prevention“ (CDC) schätzt, dass sich die Zahl der Sepsisfälle in den Vereinigten Staaten in wenigen Jahren fast verdoppelt hat - von 621 000 im Jahr 2000 auf 1 141 000 im Jahr 2008. Die Zahl der notfallmäßigen Aufnahmen ins Krankenhaus wegen Sepsis ist in den Vereinigten Staaten inzwischen mehr als dreimal so hoch wie die Zahl der Aufnahmen wegen Herzinfarkt oder Schlaganfall.

          In Deutschland haben die Krankenhäuser für das Jahr 2011 mehr als 50 000 sepsisbedingte Todesfälle gemeldet. Sepsis liegt damit auf Rang drei in der Statistik der Todesursachen. Auch die Schweine- beziehungsweise Vogelgrippe-Epidemien haben gezeigt, dass die reichen Länder der Erde nicht vor gefährlichen Seuchen geschützt sind. In den Jahren 1918 bis 1920 hat die Spanische Grippe 25 bis 50 Millionen Menschenleben gekostet, und wir können nicht ausschließen, dass auch heutzutage ein Influenzavirus eine Pandemie vergleichbaren Ausmaßes auslöst. Weltweit sterben nach wie vor jährlich mehr als elf Millionen Menschen an den Folgen von Infektionen, davon etwa acht Millionen Menschen an einer Sepsis. Zum Vergleich: etwa acht Millionen Menschen fallen jährlich dem Krebs zum Opfer.

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