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Extremismus in Deutschland : Ich hasse, also bin ich

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Selbst einige Bundestagsabgeordnete aus dem rot-grünen Lager haben keine Scheu, gemeinsam mit gewaltorientierten linksextremen Gruppen wie der „Interventionistischen Linken“ und dem Bündnis „. . . ums Ganze!“ zum „Kampf gegen Rechts“ aufzurufen. Darüber hinaus sind mehrere Abgeordnete der Partei Die Linke Mitglieder in der von den Sicherheitsbehörden als linksextrem eingestuften Roten Hilfe. Sie sowie andere linke Abgeordnete distanzieren sich nicht ausdrücklich von politisch links motivierter Gewalt. Zu ihnen gehört auch die innenpolitische Sprecherin der Linken, Ulla Jelpke. Sie konzentriert sich zumeist auf die Kritik an Polizei und Sicherheitsbehörden und findet damit in den Medien Gehör.

Andersdenkenden gegenüber spielen sich Linksextreme als „Gesinnungswächter“ auf, die bestimmen wollen, wie sich der Einzelne privat und politisch zu verhalten habe, und erklären die Revolution für alternativlos. Wer ihre Forderungen nicht teilt, sieht sich schnell dem Vorwurf ausgesetzt, ein „Rechter“ zu sein.

Ein beliebtes Argument gegenüber Wissenschaftlern, Politikern und Publizisten, die sich kritisch mit Linksextremismus beschäftigen, ist die Unterstellung, damit würden diese gleichsam zwangsläufig den Rechtsextremismus verharmlosen. Sie können oder wollen nicht akzeptieren, dass Verteidiger einer offenen Gesellschaft jeglichen Extremismus, ohne ihn gleichzusetzen, ablehnen, weil er Freiheit und Demokratie zerstören will.

Während die linke Bewegung vor 1968 mit ihrer Kritik an formalen Autoritäten und einem erstarrten politischen System systemimmanent nach mehr Demokratie strebte, verstand sich der harte Kern der 68er-Protestbewegung als revolutionäre Linke. Die Außerparlamentarische Opposition (APO) war eine antiparlamentarische Opposition, die mit einer grundsätzlichen Kritik am westlichen Imperialismus und westlichen Lebensstil sehr schnell die „Gewaltfrage“ auf ihre Agenda setzte.

Ein Plädoyer für die Notwendigkeit revolutionärer Gewalt hielt der Wortführer und Medienstar der 68er, Rudi Dutschke, schon im Februar 1966 – also mehr als ein Jahr vor den tödlichen Schüssen auf Benno Ohnesorg. Er forderte eine „Propaganda der Tat“ und illegale Aktionen, die in den Zentren des Imperialismus die revolutionären Bewegungen in der Dritten Welt unterstützen sollten. In seinen Aufzeichnungen finden sich bereits zu diesem Zeitpunkt Überlegungen zum Aufbau eines urbanen, militärischen Apparates der Revolution. Nach dem 2. Juni 1967 – dem Tag, an dem der Student Benno Ohnesorg von einem Polizisten, dem Inoffiziellen Mitarbeiter des MfS und SED-Mitglied Karl-Heinz Kurras, erschossen wurde – forderte Dutschke, der Sozialistische Deutsche Studentenbund (SDS) müsse zu einer politischen Organisation von Guerrillakämpfern werden, die, von der Universität ausgehend, den Kampf gegen die bürgerlichen Institutionen führen sollten. Damit war schon frühzeitig das Ziel der linksradikalen Bewegung benannt: die Zerstörung der bürgerlichen Gesellschaft und ihrer Institutionen, der Kleinfamilie, der als Kapitalismus bezeichneten sozialen Marktwirtschaft, aber auch der (bürgerlichen) Konventionen.

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