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Katholische Kirche : Von guten Mächten

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Bild: dpa

Mit seinen mehr als zwanzig Regionalausgaben ist das neue katholische Einheitsgesangbuch „Gotteslob“ ein kulturelles Ereignis von europäischem Rang. Und ein ökumenisches dazu.

          10 Min.

          Es ist wunderbar, großartig und kaum zu fassen, dass das überhaupt gelungen ist: Ein neues katholisches Gebet- und Gesangbuch wird von dem Beginn des neuen Kirchenjahres am ersten Adventssonntag an nach und nach in 24 verschiedenen Diözesanausgaben für achtunddreißig Diözesen mit einer Gesamtauflage von rund dreieinhalb Millionen Exemplaren eingeführt, jeweils in mehreren Ausstattungen und unter Beteiligung zahlreicher Verlage aus mehreren Ländern.

          Schon die Koordinationsleistung ist bewundernswert, bedenkt man, dass die Deutsche Bischofskonferenz, die Österreichische Bischofskonferenz sowie die Bischöfe von Bozen-Brixen, Luxemburg und Lüttich sich einig werden mussten, dass auch die vatikanische Gottesdienstkongregation (erstmalig in der deutschen Gesangbuchgeschichte) ihren Segen dazu geben musste, dass Unterausschüsse, Beratergremien und Arbeitsgruppen in großer Zahl den gemeinsamen Stammteil erarbeiten mussten und dass sich das ganze Spiel auf der Ebene der Diözesen wiederholte - so dass dieses Werk Tausende Verfasser, Mitverfasser, Melodisten, Redakteure, Bearbeiter, Begutachter und Verabschieder hat. Der ursprüngliche Wunsch der Bischöfe mag gewesen sein, dieses Unternehmen straff zentralistisch durchzuziehen. Aber die Praxis war eine andere. Auch wenn einzelne Entscheidungen autoritär von oben gefällt wurden, ist das Gesamtergebnis doch ein pluralistisches, ja, ein demokratisches.

          Die Schweizerische Bischofskonferenz hat sich an dem Projekt nicht beteiligt. Auch Liechtenstein sowie die elsässischen und lothringischen Bistümer (Straßburg, Metz) sind nicht dabei. In Luxemburg überlegt man noch. Dennoch reicht der Gültigkeitsbereich dieses Buches von Flensburg bis Bozen (Italien), von Lüttich (Belgien) bis Görlitz, von Freiburg im Breisgau bis Graz und Eisenstadt (Österreich). Er umfasst also mehr oder weniger den deutschsprachigen Kulturraum. Das Buch ist ein übernationales, ein europäisches Ereignis.

          Das Thema Deutschland spielt keine Rolle, wohl aber kann man die Idee eines Europa der Regionen verwirklicht finden. Die diözesanen Eigenteile des neuen Gotteslob stärken ganz bewusst regionale Identitäten. Die Diözesanausgaben für München-Freising, Passau und Regensburg enthalten sogar (erstmalig in einem Massengesangbuch) „Gott mit dir, du Land der Bayern“. Bozen-Brixen entrollt zwar mit „Auf zum Schwur, Tiroler Land“ eine freiheitskämpferische, historisch gesehen antiitalienische Fahne, lässt daneben aber friedlich die Fahnen zahlreicher italienischer und ladinischer Lieder wehen.

          Österreich legt Wert auf seine Messliedreihen (Haydn-Messe, Schubert-Messe) und damit auf seine josephinisch-aufgeklärte Tradition. Es zollt seinen Minderheiten Respekt - neu im Österreich-Teil sind ungarische, slowenische und kroatische Lieder. In Luxemburg werden wahrscheinlich letzebuergische Lieder aufgenommen. Lokale Heilige werden singend verehrt, wie Josef Freinademetz in Bozen-Brixen, Liborius in Paderborn, Hedwig in Berlin, Ansgar in Hamburg, Bonifatius in Fulda, Kunigunde in Bamberg und Kilian in Würzburg („Dich loben, dir danken / deine Kinder in Franken“). Natürlich wird auch Maria als Schutzfrau in Stellung gebracht. Die Diözese Regensburg singt: „Patronin voller Güte, das Bayernland behüte!“

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