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100 Jahre Johannes Paul II. : Arbeit am Mythos

Du sollst Dir ein Bild machen:Porträt von Johannes Paul II. an der Front des Bischofshauses in Krakau am 15. Oktober 2005 Bild: Picture-Alliance

An diesem Montag vor hundert Jahren wurde Karol Wojtyla geboren. Als Papst Johannes Paul II. schrieb er zwischen 1978 und 2005 Weltgeschichte. Doch die Geschichte des ersten Polen auf dem Stuhl des Bischofs von Rom ist längst noch nicht geschrieben.

          11 Min.

          Schon zu Lebzeiten war Papst Johannes Paul II. für viele Zeitgenossen zu einer Legende geworden – „Man of the Century“ nannte ihn bereits 1997 einer seiner ersten englischsprachigen Biographen, der amerikanische Journalist Jonathan Kwitny. Auch wem solche Emphase fremd war und bis heute geblieben ist, der konnte und kann kaum umhin, in Johannes Paul II. eine Persönlichkeit der Zeitgeschichte zu erkennen, die viele und vieles in den Schatten stellte. 1978 war er aus der kommunistisch dominierten Welt hinter dem Eisernen Vorhang heraus und in das Rampenlicht der Weltöffentlichkeit getreten – und sollte es noch in den Wochen seines öffentlichen Sterbens knapp 27 Jahre später auf sich gerichtet wissen. Die Beerdigung des ersten Papstes aus einem slawischen Land im April 2005 wurde zu einem Ereignis, wie es die Welt noch nicht erlebt hatte. Vier Millionen Menschen trauerten alleine in den Straßen Roms. Und niemals zuvor waren so viele Religionsführer und Staatsoberhäupter an einem Ort versammelt wie jene gut 200 Staatsgäste, die der Totenliturgie auf dem Petersplatz in Rom beiwohnten.

          Daniel Deckers

          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

          Doch mit dem offenkundigen, alleine schon in Anbetracht des Alters einsetzenden Herbst des Pontifikates hatte die Arbeit am Mythos eingesetzt. Zu ihrem bis heute wirkmächtigen Protagonisten wurde der 1951 geborene amerikanische Theologe George Weigel. Er war eine Generation jünger als Kwitny und richtete seinen Blick stärker auf die Bemühungen Johannes Pauls II., die Kräfte der katholischen Kirche in den Dienst einer „Neuevangelisierung“ der Welt zu stellen – und die Kräfte, die seine Sicht auf Kirche und Welt nicht teilten, zu neutralisieren, wenn nicht zu eliminieren. Weigel konnte sich darin eins mit dem Papst sehen, dass er die Zeitgeschichte weniger als Schauplatz des planetarischen Zusammenstoßes von „Zivilisationen“ (Samuel Huntington), sondern als Ort eines Kulturkampfs von metaphysischen Ausmaßen definierte, galten die Bemühungen des Papstes doch je länger, desto mehr dem Kampf gegen eine „Kultur des Todes“.

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